„Akudah“ -Terroristen wurden in einer Moschee rekrutiert

Wenn Moscheen in Tunesien zu Brutstätten für Terroristen und Depots für Waffen, Drogen und Alkohol werden.

Die Terrororganisation IS übernahm die Verantwortung für den Terroranschlag von Sousse, während das Innenministerium die Untersuchung einer Reihe junger Männer bestätigte, bei denen 7 Personen festgenommen wurden, die an dem Angriff beteiligt waren.

In einer Erklärung der dem Islamischen Staat „IS“ angeschlossenen Agentur „Amaq“ übernahm dieser die Verantwortung für den Terroranschlag von drei Extremisten, der zum Tod von Aoun Amen und zur Verletzung eines anderen in der Küstenstadt Sousse führte.

Die Erklärung enthielt jedoch keine Einzelheiten über den Terroranschlag und ihren Zweck. In der Zwischenzeit sagte Hussam El-Din Al-Jabbali, ein Sprecher der Nationalgarde, dass 43 Verdächtige der Terroroperation vernommen und 7 Personen festgehalten wurden, darunter die Frau des Terroristen, was darauf hinweist, dass die eliminierten terroristischen Elemente den Sicherheitsbehörden unbekannt waren. Sie wurden jedoch in Moscheen rekrutiert.

Die Daten zeigen, dass sich die organisierten Zellen im Zusammenhang mit der Einsetzung der neuen Regierung zu bewegen begannen und dass die Rekrutierung von Jugendlichen in Moscheen und anderswo zurückkehrte, sodass die Ereignisse wieder an die Oberfläche kommen. Dies führt erneut zu einer Debatte bezüglich der strategischen Vision der Terrorismusbekämpfung, indem die verdächtigen Elemente weiterverfolgt werden.

Der jüngste Terroranschlag ist eine Botschaft des Trotzes an unsere nationale Sicherheit zum 64. Jahrestag der Gründung der Nationalgarde sowie eine duellierte Kampfansage an den Innenminister, der seine Arbeitsaktivitäten in Sousse durchführte und auch den Präsidentschaftswahlkampf in Sousse leitete. Einige Stunden nach seinem Inspektionsbesuch in Sousse flatterte die Botschaft der Terroristen an die neue Regierung, nur 48 Stunden nach ihrer Amtseinführung.

Der Zeitpunkt war genau geplant und dazu wählten sie einen sehr sensiblen Ort: das Herz des Touristengebiets in El Kantaoui, um dem Akt der Gewalt eine interne und externe Resonanz zu verleihen. Außerdem wählten sie auch einen sensiblen Knotenpunkt, um die Sicherheitsüberwachung zu testen.

Ein Gedankengut der Zerstörung und Apostasie

Unter dem Titel „Randnotizen zur Interpretation der terroristischen Operation in Akudah“ schrieb der Historiker und politische Analyst Dr. Abd al-Latif al-Hanashi, „wenn die terroristische Operation in Akudah darauf abzielt, die demokratische Erfahrung Tunesiens zu treffen, um die neue Regierung zu verwirren, dann wählten sie den Zeitpunkt mit dem 64. Jahrestag der Gründung der Nationalgarde genau richtig, um die Erfolge dieses Gremiums in der Terrorismusbekämpfung bloß zu stellen.

Daher wird davon ausgegangen, dass hinter den terroristischen Anschlägen ein gut organisiertes Netzwerk steht, das denkt und ausführt, und es wird sich sicherlich dafür entscheiden, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, welches große menschliche Verluste zur Folge und erhebliche (politische und wirtschaftliche) Auswirkungen hat, wie dies bei der Bardo-Operation, der Hotelkette Imperial in Sousse und der Sprengung des Sicherheitsbusses des Präsidenten der Fall war. Diese Anschläge wurden damals von bestimmten terroristischen Organisationen übernommen. Genauso wie bei dem Terroranschlag, der Anfang diesen Jahres in der Nähe der Straße zur US-Botschaft stattfand und sich gegen das anwesende Sicherheitspersonal richtete. Er fügte hinzu: „Wir warten auf das, was die Untersuchungen zeigen werden. Wir glauben, dass dieser Anschlag charakteristisch einem isolierten Einzelfall ähnelt und von einer frustrierten und verzweifelten Gruppe durchgeführt wurde, die in enger Beziehung mit der destruktiven Takfiri-Ideologie (Apostasie) steht. Wir glauben nicht, dass ihr Bewusstsein und ihr politisches Verständnis für die Befindlichkeit der politischen Situation, in der sich das Land befindet, hoch zu bewerten wäre, und dass sie sich der Geschichte der Errichtung der Nationalgarde bewusst sind. Wir glauben, dass die Verringerung der terroristischen Zerstörungsaktivitäten auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist, darunter vor allem die Sicherheitserfolge bei der Zerstörung der Strukturen der terroristischen Organisationen von Salafistischen Takfiri in Tunesien.“

Einige Moscheen weichen von ihren Zielen ab

In Bezug auf das, was über die Abwerbung von Terroristen verbreitet wurde, die in Moscheen eliminiert werden, muss daran erinnert werden, dass das Problem der Polarisierung und Reintegration sich wieder in den Moscheen verbreitet. Nach den uns vorliegenden Daten betrug die Anzahl der außerhalb der staatlichen Kontrolle operierenden Moscheen bei der letzten Volkszählung im Jahr 2017 etwa 150, und Tunesien schloss etwa 30 Moscheen, insbesondere in den beliebten Vororten Tunesiens und in den Innenregionen wie Sidi Bouzid und Kasserine.

Laut Lesungen von Analysten und Personen, die mit den Strategien islamischer Gruppen vertraut sind, wollten die Muslimbrüder diese außerhalb des Gesetzes aktiven Moscheen zu einem strategischen Reservoir machen, um ihre Gegner einzuschüchtern. Das Phänomen der Moscheen außerhalb des Gesetzes und der Kontrolle des Ministeriums ist seit 2012 aufgetreten, d.h. in der Regierungszeit von Hammadi al-Jabali (2012-2013).

Den Daten zufolge begannen die Projekte zur kollektiven Abfärbung der Gesellschaft nach den Prinzipien der Muslimbrüder mit dem Bau von Moscheen ohne rechtliche Genehmigung zu fördern und alle staatlichen Strukturen zu ignorieren, indem parallele und gesetzlose Aktivitäten wie die Unterstützung von Koranschulen und der Schutz radikaler Imame gefördert wurden. Einige Moscheen wichen von ihren hohen Zielen ab und wurden zu Waffendepots.

Obwohl das Ministerium eine ethische Charta unterzeichnet hat, die den Imamen politische Neutralität auferlegt und die Parteipropaganda verbietet, betonten viele Beobachter, dass es ein unzureichender Schritt sei, dieses Verhalten auszurotten, welches die Unabhängigkeit der religiösen Einrichtung untergraben sollte.

Trotz der Entlassung von mehr als 700 Imamen durch das Ministerium im Jahr 2018 sind 20% der Imame ein Teil des politischen Spiels, und einige Rednerpulten wurden auch nicht von engen Parteiinteressen befreit.

Abdul Salam Al-Atwi: „Es gibt Übertretungen in unseren Moscheen und es gibt wilde Räumlichkeiten, die sie Moscheen nennen.“

Um das Problem der Rekrutierung der Täter in den Moscheen zu beleuchten, kann man eine Moschee namens „Syrien-Moschee“ erwähnen. Wir sprachen mit dem Generalsekretär der Universität (You sure that’s a University or more like a „Magistrat“) für religiöse Angelegenheiten, Abdessalam Al-Atwi, um die Wahrheit herauszufinden über die Rückkehr der chaotischen Zustände in den Moscheen von Tunesien. Zu diesem Thema erklärte unser Gesprächspartner, dass es von Anfang an notwendig sei, zwischen den legalen Moscheen des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten und den Läden zu unterscheiden, die einige ohne Lizenz oder Erlaubnis zum Abhalten von Gebeten bauen.

Er betonte, dass es in Bezug auf die legalen Moscheen, die das Ministerium zur Errichtung und Durchführung von religiösen Ritualen ermächtigt, und deren Zahl ungefähr 6.200 beträgt, keine Moscheen unter ihnen gibt, die außerhalb der Kontrolle der Aufsichtsbehörde liegen.

Al-Atwi fügte hinzu, dass die Gefahr hauptsächlich darin bestehe, dass der Staat seinen Pflichten nicht nachkomme, da in diesen Moscheen viele freie Stellen vorhanden seien, was die Gefahr gegenwärtig mache. Während die Anwesenheit einer Moschee ohne Imam jedem eine offene Tür bietet, um die Menschen zu belehren, den Pult zu besteigen und zum Beispiel Unterricht anzubieten.

Er sagte, dass sie seit einiger Zeit Reformen und Umstrukturierungen des Sektors fordern, damit alle Moscheen der Kontrolle unterliegen, und damit haben die Terroristen, Kriminelle und andere keine Möglichkeit, sich einzuschleichen. Er betonte, dass es eine große Anzahl von Moscheen gibt, denen sowohl ein Imam (Gelehrter) als auch ein entsprechendes Konzept fehlen.

Er erwähnte den Grund dafür mit der Argumentation des Ministeriums, dass die Wirtschaftskrise, finanzielle und organisatorische Schwierigkeiten das Problem sind, und daraus die Unfähigkeit resultiert, Imame einzustellen. Zu den Manifestationen von Missmanagement und fehlender Organisation im Ministerium für religiöse Angelegenheiten gehört das Fehlen eines digitalen Systems, das die Arbeit der 26.000 Moscheen organisiert. Laut dem Generalsekretär der Universität für religiöse Angelegenheiten können all diese Gelegenheiten der Personen die Möglichkeit geben, ihren Einfluss in den Moscheen auszuüben und ihren Ansichten freien Lauf geben. Damit erlangen sie Kontrolle über die Menschen.

Was die zweite Kategorie betrifft, die fälschlicherweise als Moschee bezeichnet wird, so handelt es sich um jene Räume, die von den Menschen und Bewohnern errichtet wurden, von denen das Ministerium für religiöse Angelegenheiten nichts weiß. Es gibt auch einige Konfessionen und einige Sufi-Orden, die eigene Ecken betreiben und keine rechtliche Verpflichtung eingehen. Einige Gruppierungen können sich unter dem praktizierenden Stillschweigen der Bevölkerung in einigen eingerichteten Räumlichkeiten einschleichen, in denen sie sich treffen und beten können, und von denen sie auch Einladungen verschicken. Er machte den Staat für die Ausbreitung solcher Bauten verantwortlich.

Zu den anderen Problemen, die auf der Ebene der Moscheen in Tunesien bestehen, gehören die baulichen Erweiterungen einiger Moscheen und das Vorhandensein mehrerer Türen mit einem nicht hohen Zaun sowie das Fehlen des Wachpersonals, was das Einsickern einiger den Moscheen fremder Personen, wie Terroristen und Kriminelle sowie Rekrutierungen sehr einfach macht. Er betonte, dass das Verstecken von Waffen und Sprengstoff in den Moscheen viel Resonanz findet. Zudem wurden in den Moscheen häufig verbotene Dinge wie Alkohol, Drogen und andere Sachen gefunden. Unser Gesprächspartner war der Ansicht, dass die Verantwortung dafür beim Staat liegt, der diesen Sektor nicht organisiert hat, was darauf hinweist, dass dessen Situation katastrophal ist.

Er sagte, dass seine Gewerkschaft eine Forderung und einen Punkt in der Vereinbarung vom 24. Juli 2019 in Bezug auf die Erstellung eines Konzeptes für die Umstrukturierung des Sektors erstellt hat und dass der Staat seine Verantwortung bei der Umstrukturierung und Legalisierung des Sektors übernehmen muss, damit auch der Staat in den Moscheen, insbesondere in den großen, mit einem Mindestmaß an Sicherheit wie bei der Installation einer Wache als Beispiel seine Rolle wahrnimmt.

Al-Atwi betonte, dass sie für den Schutz in Moscheen plädierten, da es nicht akzeptabel sei, eine von Tausenden von Menschen frequentierte Moschee ohne Bewachung und Aufsicht so stehen zu lassen. In Bezug auf den Inhalt der Predigten und der exkommunizierenden Aufrufe in einigen Moscheen sagte er, dass es keine gröberen Verstöße gibt, sondern welche, die mit der fehlenden Ausbildung im Zusammenhang stehen und dass sich die Menschen mit einem Einsatz eines freiwilligen Imams zufriedenstellen. Er betonte, dass die Ausbildung der Imame heute in Abstimmung mit dem Ministerium für religiöse Angelegenheiten den Verbänden zugewiesen wurde. In Tunesien gibt es eine Vielzahl von Verbänden.

Was das Problem betrifft, so ist es die Erteilung eines Auftrags für die Inspektion, um die pädagogischen Rahmenbedingungen zu inspizieren und zu erstellen. Das Finanzministerium lehnt diese Angelegenheit jedoch ab, nachdem es mit uns auf die Anstellung von 49 regionalen Inspektoren vereinbart hatte und die Anordnung im Januar 2019 erlassen wurde, aber bisher noch nicht erfolgte.

Er betonte, dass es unvorstellbar sei, dass niemand die Moscheen inspiziert und es keinen gibt, der der pädagogischen Ziele der Imame einen Rahmen gibt. Das erklärt die Existenz vieler Fehlentwickelungen und Irrtümer. Dies kommt zu der Offenheit für das Internet hinzu, die den Sektor schlecht beeinflusste.

Abdul Salam Al-Atwi war der Ansicht, dass es einen gezielten Diskurs geben muss und dass es Menschen geben muss, die nach den wissenschaftlichen Grundlagen und offiziellen Studien arbeiten, sonst können wir den Terrorismus nicht bekämpfen. Denn man kann das Problem nicht nur mit Waffen beseitigen, oder die Lösung durch die Sicherheitsdienste allein erzielen. Wir müssen uns an den Verstand der Menschen wenden.

Er betonte, dass das Bestehen darauf, den Sektor nicht umzustrukturieren, uns an dem Ausmaß der Ernsthaftigkeit des Staates bei der Bekämpfung des Terrorismus zweifeln lässt. Al-Atwi forderte die Notwendigkeit, auf das geistige und doktrinäre Feld zu achten, um die geistige Leere zu füllen, die für eine Reihe von Tunesiern besteht. Und um mit den eingehenden Predigten zu konkurrieren, die in einer Reihe von Ländern industriell betrieben wird.

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