Das Geld und die Ersparnisse der Libyer werden zur Finanzierung bewaffneter Milizen und ausländischer Söldner ausgegeben

Redaktion

In Libyen ist es kein Geheimnis mehr, dass die Muslimbrüder das Schicksal des Landes lenken wollen. Sie mussten sich nicht viel bemühen, um ihre Ziele zu erreichen, vielmehr war der Weg offen für sie, alles zu zerstören. Durch den Eliteverband extremistischer Gruppen übernahmen sie die wichtigsten Führungspositionen im libyschen Staatsapparat und dessen Wirtschaftsinstitutionen. Sie brachten die Zentralbank, die Investmentgesellschaft und die National ÖL-Gesellschaft mühelos unter ihre Kontrolle. Diejenigen, denen es gelang, diese Sektoren ohne die Mitgliedschaft bei den Muslimbrüdern zu verwalten, wurden dieser Organisation untergeordnet.

Die bekanntesten Führungspositionen unter der Kontrolle der Muslimbrüder

Die Führer extremistischer Gruppen kontrollieren die prominentesten Führungspositionen im libyschen Staatsapparat, insbesondere in Tripolis. Beginnend mit dem Staatsrat unter der Leitung des ehemaligen Führers der Muslimbrüder Khaled Al-Mishri und der Mitgliedschaft prominenter Führer der Bruderschaft wie Mansour Al-Hasadi sowie der National Öl-Gesellschaft unter der Leitung von Mustafa Sanallah, dessen Beziehungen zur Bruderschaft und intellektuellen Zugehörigkeiten bewiesen werden können. Ebenso hat sich die Zentralbank von Libyen als großer Freund erwiesen, denn sie begünstigte erst die Übernahme der libyschen Wirtschaft durch die Bruderschaft, da der Generalchef der Bruderschaft höchstpersönlich in Libyen zu einer Führungsposition in der Zentralbank wurde sowie zum Leiter der Gesellschaft für industriell gewonnenes Grundwasser und zu anderen wichtigen Positionen in der libyschen Aufsichtsbehörde sowie dem libyschen Rechnungshof Kontakt hält. All diese hochrangige Besetzungen sind der Bruderschaft zugeschrieben und sie stammen alle samt aus der westlichen Region Libyens, besonders aus den Städten Misurata, Tripolis und al-Zawiya.

Somit lenken die Führer der Muslimbrüder die Richtung der libyschen Wirtschaft, da der Führer dieser Terrororganisation Mustafa Al-Mani die Position eines Mitglieds des Verwaltungsrates der libyschen Investitionsbehörde innehat und der prominente Führer Fathi Okoub, der für die Sicherheitsbehörden des ehemaligen Regimes auf der Fahndungsliste stand, als Gouverneur der Zentralbank in Tripolis, und Suleiman Abdel Qader Al-Libi Al-Sari als Libyscher Direktor des Instituts für Bankstudien wurde.

Extremistische und international gesuchte Milizen

Viele Extremisten mit Loyalität zu den Muslimbrüdern kontrollieren auch andere Positionen in der Regierung des nationalen Abkommens Tripolis (al-Wefaq), angefangen mit dem Führer der Kampfgruppe Khaled al-Sharif, der als ehemaliger Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium tätig war. Zusätzlich bekam er weitere Leitungs- und Direktionsposten im berüchtigten Al-Hadba-Gefängnis, welches viele wichtige Persönlichkeiten des Gaddafi-Regimes beherbergt. Außerdem leitet der Terrorist Abdul Raouf Kara die Militär-, und Luftbasis Maitika mit ihrem Gefängnis, sowie mehrere Häfen des Landes.

Die Milizführer als international gesuchte Extremisten kontrollieren eine Reihe von Institutionen, die der Regierung des Nationalen Abkommens Nahe stehen, wie die Bashir al-Baqara-Miliz, die der Al-Wefaq untergeordnet war, bevor sich Sarraj von der Miliz abwand, die sich später unter seinem Befehl in den Schlachten von Tripolis einbezog sowie Salah Badi, der international gesucht wird. Und Abdel Hakim Belhadj, der eine Fluggesellschaft besitzt und für die geheimen Flüge der libyschen Regierungsteilnehmer zuständig ist.

Und wenn es Ihnen gelingt, die Institutionen mit solchem finanziellen Gewicht zu kontrollieren, bedeutet dies, dass Sie den Staat und seine Wirtschaft in Ihre Hände halten. Die Konsequenzen für die Wirtschaft des Landes kommt einer Katastrophe jedoch sehr nah.

Von Anfang an verfolgten sie mit der Umstrukturierung dieser Standorte nicht das Ziel, libysche Gelder zu sichern und die Wirtschaft zu reformieren, sondern sich schnell zu bereichern und sich die Vorteile für ihre Organisation auf Kosten des Landes zu erschleichen.

Die Arme des Netzwerkes der Muslimbrüder

In diesem Zusammenhang und in einer Erklärung gegenüber einer in London ansässigen arabischen Zeitung sagte Mustafa Al-Zaidi, Sekretär des Exekutivkomitees der libyschen nationalen Volksbewegung: „Der libysche Ölreichtum wird von der Bruderschaft durch dessen Vertreter in der ÖL-Gesellschaft Mustafa Sanallah verwaltet, und sorgt dafür, dass das Geld und die Ersparnisse dessen Reichtums den Milizen und der Unterstützung des Terrorismus zugutekommen. Diese Meinung ähnelt der Aussage des Leiters des Liquiditätskrisenausschusses der libyschen Zentralbank Rajab al-Agha, als er in Medienerklärungen sagte, dass die Regierung des Nationalen Abkommens  die Finanzinstitute an einige Führer der Bruderschaft übergibt und dass die Zentralbank in Tripolis „von den Muslimbrüdern in Libyen kontrolliert wird. Er betonte außerdem, dass die Finanzmittel und Ersparnisse der Libyer zur Finanzierung  bewaffneter Milizen und ausländische Söldner zur Verfügung gestellt wurden.“

Dieses Problem in Libyen besteht nicht mehr nur darin, dass die Bruderschaft in Wirtschaftsinstitutionen eindringt, sondern weil es tatsächlich zur Realität wurde. Das Problem ist, dass sich die Loyalitäten innerhalb dieser Gruppe überlappten und sich gleichzeitig auch voneinander differenzierten. Sie mussten sich plötzlich als ein Teil des türkischen Projekts, das Land zu dominieren, ansehen. Allerdings beteiligten sie sich mit vollem Zuspruch auch freiwillig daran, weil sie glauben, dass das Ankara-Regime den modernen Ausdruck islamischer Strömungen widerspiegelt. Die Verschmelzung derer Absichten in die Pläne der Türkei für die Region veranlasste die höchsten Führer der libyschen Bruderschaft, der Türkei wirtschaftliche Privilegien als Belohnung für ihre militärische Unterstützung und guter Vermarktung in der Weltgemeinschaft zu gewähren.

Wenn die osmanisch angehauchte Türkei als verbrüdertes Land angesehen wird

Der erste Schritt wurde von Fayez Al-Sarraj eingeleitet, der mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Vereinbarung unterzeichnete, wonach Ankara auf wirtschaftlicher Ebene bedingungslose Privilegien in Bezug auf den transmediterranen Verkehr sowie Erdöl-Bohrungen, den Austausch von Öl und andere Vorteile gewährt werden. Die gefährlichste davon ist die Gewährung der Zollverwaltung eines türkischen Unternehmens für den Hafen Tripolis, um den Türken die Beschaffung großer Finanzmittel zu erleichtern. Dennoch wäre man noch lange nicht überrascht und im Zusammenhang mit dem Vorhaben, die Ausbildung der libyschen Zoll-Beamte zu übernehmen, dass der Türkei die  Überwachungsprivilegien zu Landübergängen in weiterer Folge gewährt werden könnte, die seitens Al-Wefaq kontrolliert werden.

In einem weiteren nicht überraschenden Schritt forderte der Mufti der Regierung des Nationalen Abkommens, Sadiq al-Ghariani, die Priorität der Türkei bei Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaften sowie bei Öl- und Gasprojekten zu gewähren. Ghariani sagte: „Unser Bruder Türkei sollte Vorrang in unseren Wirtschaftsbeziehungen, unserer Sicherheitskooperation und in Bezug auf die Exploration von Öl und Gas haben, denn die Türkei steht uns von allen anderen Ländern am nächsten.“

Klar ist, dass seine Worte einen Einklang bei den Parteien aus dem politischen Islamischen Lager und besonders den Muslimbrüdern findet, die wiederum versucht, diese Vorhaben aus zwei logischen Gründen umzusetzen: Der erste Grund besteht darin, sich einen Verbündeten aufzubauen, der sie im Ausland schützt, und der zweite Grund ist die Konsolidierung der Idee einer einzelnen Gruppe, was bedeutet, dass ein Erfolg der Türkei als Erfolg für die gesamte Muslimbruderschaft angesehen wird und alles, was sie füreinander erreichen, teilt man gemeinsam unter sich auf.

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