Die Hisbollah und das Land mit einer Million Arbeitslosen

Redaktion

Die Eskalation der Finanzkrise und das Fehlen von Indikatoren für eine Lösung, wird ein schnelles wirtschaftliches Dilemma nach sich ziehen. Laut internationalen Umfragen, die den ehemaligen libanesischen Arbeitsminister zitiert, wird der Libanon bald das Land einer Million Arbeitsloser sein, was unteranderem eine libanesische Quelle bestätigt, die dem MENA – Studien- und Forschungszentrum vertraut ist. Insbesondere auch deshalb, weil ein Ausbruch des Coronavirus vor der Tür steht.

Laut offizieller Statistiken stieg die Arbeitslosenquote im Libanon von 350.000 im letzten Oktober auf fast 450.000 Menschen Anfang diesen Monats. Eine Steigerung von 25% auf etwa 35%.

Die Hisbollah und eine politische Ablehnungshaltung zur Lösung des Problems

Da sich Politik, Wirtschaft und Sicherheit bei der Gestaltung der Zukunft der Länder überkreuzen, weist die Quelle darauf hin, dass die Hauptursache der Wirtschaftskrise in direktem Zusammenhang mit der politischen Lage steht, nicht mit der Schwäche der libanesischen Möglichkeiten. Sie weist darauf hin, dass der Libanon die Ressourcen für einen wirtschaftlichen Aufschwung hat, aber der Zustand der politischen Unnachgiebigkeit, in die das Land durch die regionalen Bündnisse hineingezogen wurde, diesen Fortschritt verhindere und ihn in einen totalen Zusammenbruch verwandle.

Die libanesische Wirtschaft hängt hauptsächlich vom Dienstleistungssektor sowie Tourismus ab, deren Einnahmen bis Ende Sommer 2019 auf etwa 7 Milliarden Dollar geschätzt wurden, sowie von der Einführung Libanons als Bankzentrum des Nahen Ostens, was viele Investoren dazu veranlasste, das Land „Die Schweiz des Ostens“ zu nennen.

Darüber hinaus betont die Quelle, dass die Weigerung der Hisbollah, sich vom iranischen Projekt abzuwenden, wesentlich zu der Krise beigetragen hat, da es die Isolation des Libanon verursachte, US-Sanktionen gegen den Libanon verhängte und Investitionen boykottierte, zusätzlich zu den erschütternden Ereignissen auf der Ebene der inneren Sicherheit Libanons, die von der Hisbollah verursacht wurden. Ob am 7. Mai 2008 oder im Julikrieg, wie auch die unkontrollierte Ausbreitung von Waffen führten zum Fernbleiben von Kapital und Investitionen. All das trieb die wirtschaftlichen Aktivitäten in den Ruin. Die Quelle betonte, dass die Partei mit ihrer Politik nicht die libanesischen Interessen vertritt.

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer in Beirut und Berg Libanon machen die Investitionen aus der arabischen Golfregion 40% der Immobilieninvestitionen im Libanon. Sie werden auf etwa 3,5 Milliarden Dollar geschätzt, während der Golfmarkt mit 30% der gesamten Inlandsexporte der größte Importmarkt für libanesische Waren ist.

Angesichts der Statistiken über die libanesische Wirtschaft und die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Arabischen Golf sowie dem Rest der Welt stellt sich die Frage, welchen Beitrag der Iran für den Libanon in den letzten Jahren leistete, mit Ausnahme von Sprengstoff- und Waffenlieferungen und finanzieller Unterstützung für ihre Kämpfer, neben den belastenden libanesischen Beziehungen zu oben erwähnten Ländern?

Zudem äußerte sich die Quelle darüber überrascht, dass die Führung der Hisbollah die Existenz der Interessen des Libanons in den Beziehungen zum Iran sieht, der eine Vereinbarung mit der internationalen Gemeinschaft anstrebt, um seine Wirtschaftskrise zu beenden und die gegen ihn verhängten Sanktionen zu lockern.

Ein wirtschaftliches Labyrinth.

Unweit der Quelle ist der Schriftsteller und Journalist Farouk Youssef der Ansicht, dass die Hisbollah den Libanon in ein wirtschaftliches Desaster und in ein Labyrinth hineingezogen hat, in dem sie viele Betrügereien praktizieren, und weist darauf hin, dass die libanesische Wirtschaftskrise nicht nur mit dem Druck der Vereinigten Staaten zusammenhängt, sondern auch mit dem Land, das nicht mehr in der Lage ist, die Angelegenheiten seiner Bürger zu regeln.

Nach offiziellen Schätzungen hat die aktuelle Wirtschaftskrise den Verlust von 80.000 Arbeitern verursacht, und das American University Hospital kündigte letzte Woche die Entlassung von weiteren 850 Mitarbeitern an, während die Vereinten Nationen darauf hinwiesen, dass etwa 50 Prozent der libanesischen Familien unterhalb der Armutsgrenze liegen.

„Es ist nicht verwunderlich, dass der Zusammenbruch des Libanesischen Bankensektors mit der Verhängung weiterer US-Sanktionen gegen die Hisbollah zusammengefallen ist, denn der Libanon war nicht auf diese Sanktionen vorbereitet. Seine Auswirkungen haben sich im Geldgeschäft widergespiegelt, was bedeutet, dass ein Teil dieser Auswirkungen Teil der Hegemonie der Hisbollah war und weiter sein wird“, sagte er.

Mehrere libanesische Persönlichkeiten und politische Kräfte, darunter der maronitische Patriarch Bishara al-Ra’i haben die Regierung und den Präsidenten Michel Aoun aufgefordert, daran zu arbeiten, das Prinzip der Neutralität des Libanon in regionalen Fragen gefestigt wird und die Hisbollah in Bezug auf Israel nicht unterstützt wird.

Aufgrund des Ausmaßes der Kontrolle der Hisbollah über den libanesischen Staat und die Auswirkungen ihrer Politik auf dessen allgemeinen Situation, erscheint es laut Youssef der ganzen Welt unmöglich, staatliche Institutionen vorbei an der Hisbollah zu errichten, die Vereinigten Staaten miteingeschlossen.

Distanzierung

Da die einflussreichen politischen libanesischen Kräfte nicht in der Lage sind, eine Politik mit Distanzierung zur Hisbollah durchzusetzen, steigt laut dem Journalisten Walid Chouqair die Neigung sowohl der internationalen, als auch der arabischen Staaten, sich vom Libanon zu distanzieren.

Westliche und arabische Regierungen sowie die Vereinigten Staaten haben sich geweigert, der gegenwärtigen libanesischen Regierung weiterhin finanzielle Unterstützung zu leisten, da die Hisbollah sie kontrolliert und von der iranischen Expansionspolitik abhängig ist.

Unter diesen Umständen betont Shaqir, braucht die libanesische Führung eine Wiederherstellung der internationalen Beziehungen. Fakt ist, der Libanon hat keine wichtige Stellung mehr im Nahen Osten.

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