Die „Schläferzelle“ zieht durch Tunesien und führt die von ihnen angeforderten Misshandlungen und Enthauptungen durch

Der terroristische Gewaltakt, der gestern Vormittag im Gouvernement Sousse an der tunesischen Küste stattfand und zum Tod von Aoun Haras und zur Verletzung eines anderen führte, bewies, dass es die „Schläferzelle“ tatsächlich gibt, und sie sich bereits auf einen Kamp vorbereitet.

Die Kämpfer der Gruppe erhielten Anweisungen, Befehlen zu gehorchen, die nicht nur Misshandlungen und Enthauptungen beinhalten.

Die Zahl der Terrorzellen in Tunesien wird auf mehr als 180 im ganzen Land verteilt geschätzt. Jede Gruppe umfasst zwischen 3 und 7 Personen und sie wurden gebildet, nachdem junge Menschen aus gefährdeten sozialen Gruppen angelockt wurden.

Es scheint so, als ob die Extremisten enorme Fähigkeit besitzen würden, Jugendliche zu täuschen und sie einer Gehirnwäsche zu unterziehen, die sie später zu einer lebenden Bombe machen, die jeden Moment explodieren kann.

Tausende Takfiris verhindern

Die Sicherheitsbehörden gaben an, dass sie mehr als 15.000 junge Männer und Frauen daran hinderten, nach Syrien zu reisen und sich dem IS anzuschließen, von denen einige verhaftet wurden und einige noch immer überwacht werden. Dies spiegelt die Bereitschaft der tunesischen Jugendlichen wider, Terroristen zu werden. Die Sicherheitsdienste hoben etwa 70 dschihadistische Zellen aus, die in den beliebten Stadtteilen und im Landesinneren aktiv waren, und aus jungen Männern und Frauen bestanden.

Heute steht Tunesien ganz oben auf der Liste der Länder, die Terroristen exportieren. Die Zahl der Tunesier, die in den Reihen des IS kämpfen, liegt zwischen 6 und 7 Tausend Menschen, von denen Dutzende Kommandopositionen innehaben.

Sicherheit und das Gefühl, wertvoll zu sein

Das Verhältnis der tunesischen Jugend zu terroristischen Organisationen reicht bis in die späten siebziger und frühen achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück, als einige Dutzend Menschen nach Afghanistan reisten, um gemeinsam mit Al-Qaida gegen die Streitkräfte der Sowjetunion zu kämpfen. Diese Zeit fiel mit dem Beginn des sogenannten „islamischen Erwachens“ zusammen.

Die Abwanderung tunesischer Jugendlicher aus einer toleranten Gesellschaft, die Gewalt ablehnt und sich auf die Werte der Mäßigung beruft, auf denen die Doktrin von Imam Malik bin Anas beruht erlebte vor sieben Jahren einen qualitativen Wandel, welcher zu einem gefährlichen Phänomen wurde, das Tausende von Toten forderte und die Stabilität der Gesellschaft bedrohte.

Die fragilen wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen halfen dschihadistischen Gruppierungen zur Praktizierung von Gehirnwäsche und Rekrutierung junger Männer in terroristischen Gruppen, die sie in die Türkei und von dort sowohl nach Syrien, als auch in den Irak schickten, um in den Reihen der Al-Nusra-Front und dem sogenannten „islamischen Staat“ zu kämpfen.

Angesichts einer erstickenden Krise, die das Land heimsuchte und sich ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft ausbreitete, stürzte sie auch das Leben der Menschen in Elend und Verzweiflung. Aus diesem Grund fanden Tausende junger Menschen in den von extremistischen Gruppierungen aufgezogenen „Dschihad-Bannern“ einen Zufluchtsort zur Selbstverwirklichung. Diese Extremisten bauen ihre Nester sowohl in den beliebten Stadtvierteln als auch in den benachteiligten Gebieten auf.

Der Leiter des tunesischen Observatoriums für Jugend, Muhammad al-Juwaili formulierte die Situation in diesem Zusammenhang mit der Aussage, dass junge Menschen heute nach Beachtung und ihrem moralischen Selbst sowie nach der Kraft der Anerkennung suchen, die sie in den sozialen Institutionen nicht finden können. Die Jugend leidet unter blockierten Möglichkeiten und sucht daher nach dem, was seine Realität kompensieren kann. Früher hat sie sich für die illegale Auswanderung oder Drogen entschieden. Zu diesen Auswegen kam das Terrornetzwerk hinzu, in dem die Jugend Geld und Versprechen von Paradies, Sex, Solidarität, Identität und vielem mehr fand. Al-Juwaili merkte auch an, dass diese Organisationen den Jugendlichen Sicherheit und einen Sinn für das eigene Wertgefühl gaben. Sie gaben ihr Antworten auf die Probleme, Fragen und Bedenken, die sie immer angesprochen hatte.

Unser Gesprächspartner betonte, dass die meisten Angehörigen der terroristischen und extremistischen Strömungen im Gegensatz zu dem, was propagiert wird, ein niedriges Bildungsniveau haben und unter sozial sehr vernachlässigten Lebensbedingungen leiden. Dies verhindert jedoch nicht die Anwesenheit einiger junger Menschen mit hohem Bildungs- und sozialem Niveau in ihren Reihen. In Bezug auf Lösungen sagte der Leiter des Jugendobservatoriums, dass es notwendig sei, den Antworten dieser Organisationen und Netzwerke entgegen zu steuern und Antworten zu geben, die vielfältiger und qualitativ hochwertiger seien als die der terroristischen Netzwerke. Wir müssen uns auch um unsere Jugend kümmern und ihnen Antworten geben.

Je mehr wir den Jugendlichen die Antworten auf ihre Fragen und Bedenken geben, desto mehr hindern wir sie daran, sich terroristischen Netzwerken anzuschließen. Er sagte, wir müssen den Status junger Menschen anerkennen und auf die Grundversorgung achten, die ihnen angeboten wird, insbesondere in den dichtbesiedelten Stadtteilen, da es sich um die Umgebung handelt, in der sie leben. Wir müssen der Jugend Hoffnung geben, die Bildung verbessern, uns um Beschäftigung, Jugendeinrichtungen usw. kümmern. Wir müssen den Wert unserer Jugendlichen anerkennen, zumal sich viele von ihnen vernachlässigt fühlen und das Gefühl haben, dass der Staat nicht an ihnen interessiert sei.

Die Politische Parteien und Experten sind in der Notwendigkeit aufgefordert, einen strategischen Sicherheits- und Militärplan zu entwickeln, aber auch einen sozialen, kulturellen und religiösen Plan zur Bekämpfung des Terrorismus, einen umfassenden Kampf und eine Immunisierung der Jugend gegen Gehirnwäsche der Dschihadistengruppen zusammen zu stellen. Die Terroristen stürzen sie in internationale terroristische Netzwerke, in dem sie den Zustand der Frustration der Jugend auszunutzen. Und das, obwohl die politischen Parteien und Organisationen der Zivilgesellschaft es nicht nach Plänen und Programmen gestalten, die eine solide Bürgerkultur pflegen, die ihre Persönlichkeit stärkt und ihr neue und echte Perspektive eröffnet, um sich in der Gesellschaft zu beweisen.

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