Europa und die Muslimbruderschaft – Finanzielle Unterstützung und Gewaltfrage

Zu den Aktionen der Muslimbruderschaft gehören neue Finanzstrukturen der islamistischen Bewegung, die versuchen, Institutionen und Gemeinschaften in Europa zu finanzieren, ohne dass die Möglichkeit besteht, die wahren Investoren aus Ländern wie Katar oder Sponsoren zu identifizieren, die als Unterstützer der islamistischen legalistischen Bewegung bekannt sind.

Aber auch Kritiker scheinen aktiv zu sein: Wie bereits vor einigen Wochen berichtet, hatte das Europäische Parlament Informationen über gigantische Finanzströme von „Europe Trust“ veröffentlicht, die von England auf den europäischen Kontinent verlagert werden.

Europe Trust ist ein im Vereinigten Königreich ansässiges Unternehmen und eine Wohltätigkeitsorganisation, die erstmals 1996 als solche registriert wurde. Der Finanzbericht von 2005 besagt, dass die Haupttätigkeit des Unternehmens „darin bestand, ein Portfolio von Vermögenswerten (awqaf), Unternehmen und Investitionen zu erstellen für Ressourcen zur Finanzierung sozialer und wirtschaftlicher Projekte für Gemeinschaften in Europa.“

Europe Trust hat für vier Millionen Euro ein Grundstück im Berliner Stadtteil Wedding erworben. Dort haben sich mehrere Vereine und Gruppierungen angesiedelt, die vom deutschen Landesamt für Verfassungsschutz überwacht werden.

Die Direktoren und Treuhänder von Europe Trust sind europäische Muslime nahöstlicher Abstammung. Es beschäftigt drei Mitarbeiter und hat mehrere Freiwillige. Der ehemalige Treuhänder und Mitbegründer Dr. Ahmed Kadhem al-Rawi fungiert derzeit als Geschäftsführer.

Die Londoner Zeitung „The Times“ schrieb, Europe Trust verfüge über Landvermögen im Wert von mehr als 8,5 Millionen Pfund und überweise Mietentschädigungen aus seinem Eigentum an eine Vereinigung von mit der Bruderschaft verbundenen Beziehungen in der gesamten EU, einschließlich der Islamic Association of Britain, die die offizielle Behörde als „Zweig der Muslimbruderschaft in Großbritannien“ darstellt.

Das interreligiöse Projekt „House of One“ in Berlin, Teil des oben genannten Projekts, ist ein 43,5-Millionen-Bauwerk, ebenfalls mitfinanziert durch Spenden aus aller Welt. Auch die umstrittene Qatar Foundation International ist mit von der Partie: Sie fördert seit dem 1. November 2018 sechs Stellen im Bildungsbereich.

Qatar Foundation International ist Teil der privaten Qatar Foundation und wurde 1995 von Sheikh Hamad bin Chalifa Al Thani gegründet. Sie unterstützt vor allem Bildungs- und Wissenschaftsprojekte. Nach dem Sponsorenvertrag mit dem FC Barcelona im Jahr 2010 geriet die Stiftung in die Kritik, weil sie auch Geldgeber der Hamas sein soll und Kontakte zum Chefideologen der Muslimbruderschaft, Yusuf al-Qaradawi, pflegte.

Die Frage ist nun: Können deutsche Behörden wie der Senat in Berlin eine Stiftung akzeptieren, die US- und EU-Geheimdienste als Organisation bezeichnen, die eine extremistische Ideologie unterstützt und westliche Werte ablehnt?

Wie hoch der finanzielle Beitrag der Qatar Foundation ist, konnte die Sprecherin des „House of One“ nicht sagen. Qatar Foundation International ist bisher hauptsächlich in den USA aktiv, versucht aber auch in Europa Fuß zu fassen.

Islamismusexperte und Autor Ahmad Mansour findet es problematisch, dass die Qatar Foundation International im „House of One“ aktiv ist: „Sie hat Verbindungen zu islamistischen Organisationen, die in Europa kein Geschäft haben“, sagt er.

Zuletzt zog sich die Unternehmerin Catherine von Fürstenberg-Dussmann wegen der Unterstützung extremistischer muslimischer Verbände aus dem interreligiösen Projekt zurück.

Unterdessen wird das „Islamische Zentrum Genf“ unter der Leitung des umstrittenen Hani Ramadan mit dem Segen des Kantons der Region erweitert. Das 300 m2 große Gelände der Moschee wird zugunsten eines 900 m2 großen Gebäudes ersetzt. Ramadan ruft auf seiner Website zu einer grossen Spendensammlung auf, um das Ziel von fünf Millionen Franken schnell zu erreichen, isher wurden CHF 805.984 gesammelt.

Bereits im Juni 2021 wurde eine Petition gegen das Projekt mit dem Titel „Nein zum Aufbau einer Basis der Muslimbruderschaft in Genf“ eingereicht.

Hani Ramadan ist der Enkel von Hassan al-Banna, dem Gründer der extremistischen Muslimbruderschaft. Die Äußerungen Ramadans zur Scharia machten in der Schweiz und in Frankreich mehrfach Schlagzeilen. Ein kurzer Blick auf seine Facebook-Seite verrät seine Zugehörigkeit zur Muslimbruderschaft.

Während Unterstützer der Muslimbruderschaft oft den friedlichen Ansatz der Bewegung betonen, ohne gegen europäische Gesetze und Werte zu verstoßen, hat zum ersten Mal ein prominenter ehemaliger Führer der Bruderschaft bestätigt, dass die Bruderschaft entgegen ihren öffentlichen Äußerungen tatsächlich Gewalt der Muslimbruderschaft unterstützt und fördert.

Kamal Al-Helbawi, der ehemalige Sprecher der Muslimbruderschaft in Europa, räumte ein, dass die Gruppe trotz ihrer offen erklärten Toleranz ideologisch von der Vorgehensweise von Sayyid Qutb beeinflusst sei, die den Grundstein für den dschihadistischen Extremismus legte, obwohl immer wieder behauptet wurde, mit friedlichen Mitteln zu agieren.

In einer Erklärung, die vor einigen Tagen in einem Artikel auf einer arabischen Website veröffentlicht wurde, schrieb Al-Helbawi:

Ich bin in jungen Jahren der Muslimbruderschaft beigetreten. In den 1990er Jahren wurde ich nach einem langen Weg schließlich Mitglied der Führung der weltweiten Organisation der Muslimbruderschaft.

Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass es innerhalb der Muslimbruderschaft Abweichungen vom eigentlichen islamischen Projekt gab, dessen Fundamente von Hassan Al-Banja und nicht von Sayyid Qutb gelegt wurden. Einige dieser Diskrepanzen zeigen sich in der Persistenz von Aspekten der Geheimhaltung in der Arbeit der Gruppe sowie in der zunehmenden Tendenz zur Gewalt, die trotz der immer wieder erhobenen Friedensparolen erkennbar ist.

Al-Helbawi gilt als einer der historisch bedeutenden und prominenten Führer der Muslimbruderschaft, und seine Aussage ist eine ausdrückliche Bestätigung durch ein (ehemaliges) hochrangiges Mitglied zu gewalttätigen Tendenzen der Gruppe. Gleichzeitig stehen Al-Helbawis Äußerungen im Gegensatz zu dem toleranten Gesicht, das die Muslimbruderschaft gerade in Europa gerne zeigt und angeblich zu gesellschaftlicher Integration und zum Dialog aufruft.

„Das wahre Gesicht der Muslimbruderschaft ist Hassan Al-Banna, der Pionier des Terrorismus und geheimer bewaffneter Aktionen war. Al-Bannas Ideen führen immer zu Gewalt und Terrorismus und zum Einsatz von Waffen, um Macht zu erlangen.“

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