Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam schließt seine Tore

Keine Proteste vor den Türen, kein Sicherheitsdienst, keine Schlagzeilen über vermeintlichen Rassismus oder Islamophobie: Mit einer Tagung zum Thema Islamismus verabschiedet sich das Forschungszentrum Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität – nach Jahren öffentlicher Kontroversen und interner Kämpfe.

Die Ruhe hat jedoch ihren Preis. Aus Kostengründen verzichtete das Zentrum für die letzte Veranstaltung auf einen Sicherheitsdienst, es wurde kaum beworben. Ein Kontrast zu den vergangenen Jahren, in denen die Konferenzen häufig von lautstarken Protesten begleitet waren. „Man konnte über Islamismus nur unter Polizeischutz sprechen“, resümiert die Direktorin Susanne Schröter, die diesen Monat emeritiert wird.

Schröter und ihr Zentrum standen immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Aktivisten warfen ihnen Rassismus und Islamophobie vor, Teile der Universität hielten Distanz. Gleichzeitig erfuhr das Zentrum auch breite Unterstützung, etwa von säkularen Organisationen oder zivilgesellschaftlichen Gruppen. Die Auseinandersetzungen machten die Arbeit zu einem Testfall für die Wissenschaftsfreiheit.

Die Abschlusskonferenz bot noch einmal eine breite Themenpalette: von den Strukturen der Muslimbruderschaft über islamistische Netzwerke in Jordanien, Afghanistan und Pakistan bis hin zur Rolle westlicher Universitäten. Referenten beschrieben die Bruderschaft als strategisch agierende Bewegung, die langfristig auf eine Umwandlung westlicher Demokratien in Gottesstaaten hinarbeite – notfalls auch unter dem Deckmantel von Gewaltverzicht. Andere Beiträge widmeten sich der Finanzierung islamistischer Strukturen oder der Frage, wie stabil Demokratien ohne gemeinsamen Wertekanon sein können.

Das Thema Islamismus bleibt brisant – doch die Forschung darüber ist in Deutschland marginalisiert. Schröter verwies auf Beispiele wie die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, die wegen angeblicher „Islamophobie“-Vorwürfe ausgeladen wurde, obwohl sie selbst vom „Islamischen Staat“ versklavt und misshandelt worden war. „Es gibt eine erstaunliche Bereitschaft, sich auf diese pervertierte Opferlogik einzulassen“, so Schröter.

Mit der Auflösung des Zentrums verliert die deutsche Islamismusforschung eine profilierte Institution. Ob die Arbeit an anderer Stelle fortgesetzt wird, ist ungewiss. Schröter selbst verlässt eine Universität, an der sie nach eigenen Worten jahrelang Diffamierungen ertragen musste. Zurück bleibt die ernüchternde Bilanz: Über eine der zentralen Herausforderungen für Demokratie und Gesellschaft kann an deutschen Universitäten kaum mehr sachlich gestritten werden.

Man kann Susanne Schröter vieles vorwerfen – zu scharfe Töne, mangelnde Sensibilität im Umgang mit Kritik. Doch dass sie beharrlich an einem Thema festhielt, das viele lieber übersehen wollten, verdient Respekt. Ihr Abschied hinterlässt eine tiefe Lücke.

Die Demokratie wird nicht am rechten Rand oder in den Talkshows verteidigt, sondern auch in den Hörsälen und Forschungsinstituten. Dass die Goethe-Universität diese Aufgabe nicht mehr erfüllen kann oder will, ist ein Armutszeugnis.

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