Irans neue geopolitische Ziele – Regionale Kontinuität von Teheran bis zum Mittelmeer

Die mit dem Iran verbündeten lokalen bewaffneten Gruppen haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, sich den Gegnern des iranischen Projekts im Irak, in Syrien, im Libanon und im Jemen zu stellen und die iranische Politik langfristig durchzusetzen. Es besteht keinen Zweifel daran, dass diese lokalen Gruppen parallel neben den Militärinstitutionen existieren, um in der Zukunft einen breiteren iranischen Einfluss in den drei Ländern zu gewährleisten.

Das erklärte Projekt des Irans machte nach der Bildung der internationalen Koalition nach den Ereignissen von Mosul im Jahr 2014, die der Iran zu dieser Zeit über einen einzigen Landkorridor über die Gebiete hinweg beeinflusste, weitere Fortschritte. Der Iran nutzte die Vorteile seiner geographischen Lage in der Region, die sich von seinen westlichen Grenzen bis zu den Ufern des Mittelmeers erstreckt, indem er sie seinem direkten Einfluss oder dem Einfluss seiner Verbündeten zu Diensten stellte. Zwischen 2011 und 2013 nutzte der Iran einen einzigen Landkorridor im Irak, dieser erstreckte sich bis zur Grenzpassage von Al-Walid (Im Austausch für die syrische Grenzpassage Al-Tanaf), so dass der Iran nach der Niederlage des IS Mitte November 2017 seinen Einfluss auf alle städtischen Zentren im Irak und Syrien, inklusive drei Landkorridore durch die Provinzen Anbar und Ninive erweiterte.

Historischer Hintergrund:

Der iranische Ehrgeiz, die Mittelmeerküste zu erreichen, war unter den iranischen Entscheidungszentren kein Geheimnis, insbesondere seit dem Erfolg der Khomeini-Revolution im Jahr 1979 und der Übernahme der Unterstützung bewaffneter schiitischer Gruppen, die die Volksarmeen repräsentieren, die zugleich der iranischen Revolution im Irak, in Syrien und im Jemen als Verbündete unterstellt sind, und von den Ideen und Werten der iranischen islamischen Revolution inspiriert sind. Es besteht aus Angehörigen der schiitischen Gemeinschaft aus einigen arabischen Ländern, Afghanistan, Pakistan und weiteren.

Viele schiitische bewaffnete Gruppen sind mit der Form des Regierungssystems der islamischen Republik  „Statthalterschaft des Rechtsgelehrten“ verbunden, die sie verpflichtet, den Iran zu verteidigen und „im Falle eines Krieges an seiner Seite zu kämpfen“, selbst wenn die Angelegenheit eine militärischen Konfrontation mit deren Mutterland bedeuten würde. Es ist auch organisatorisch mit den iranischen Institutionen, wie der iranischen Revolutionsgarde oder dem Amt des Obersten Führers Ali Khamenei verbunden, welches als religiöser Vormund für eine Reihe von Gruppen gilt, die sich durch einen Treueschwur zur Khomeinis Statthalterschaft dieses schiitischen islamischen Regierungsmodells verpflichteten. Darunter befinden sich 41 aus Rund 70 Fraktionen, die sich dem Obersten Führer Ali Khamenei direkt unterstellen und gemeinsam die Volksmobilisierungseinheiten bilden.

Der Iran verfolgt ein Projekt, welches darauf abzielt, seinen regionalen Einfluss und seine Dominanz auf sunnitische Einflussgebiete auszudehnen, die sich bis zu den Ufern des Mittelmeers und der Bab al-Mandab-Straße erstreckt, um die strategische Tiefe seiner nationalen Sicherheit in einem geografisch verbundenen Gebiet durch Landkorridore zu sichern, die den Iran mit dem Irak, Syrien und dem Libanon verbinden. Die genannten Länder werden von Irans verbündeten Kräften regiert.

Im Irak dominieren „schiitische“ Kräfte die nationalen Sicherheits- und politischen Entscheidungen in der Zentralregierung, die den Sicherheitsressort unter der Beteiligung der Volksmobilisierungsfraktionen offiziell kontrollieren. Ursprünglich war der Grund ihrer Existenz dafür gedacht, den IS zu bekämpfen, nachdem der IS die Stadt Mosul im Jahr 2014 einnahm. Die Volksmobilisierungsfraktionen gehören zu den verbündeten Kräften des Iran, die den Irak de facto einnahmen.

In Syrien neigte die von Bashar al-Assad geführte Regierung dazu, das strategische Bündnis mit dem Iran zu stärken, welches ihm nach 2011 angesichts der bewaffneten Opposition die Waffen, die Kämpfer und den Rat ermöglichte, da der Iran eine direkte Rolle bei der Verhinderung des Sturzes des Regimes in Damaskus und der Bekämpfung der Brutalität und Barbarei terroristischer Strömungen spielte. Zu diesen Strömungen gehören etwa die bewaffneten syrischen Oppositionsfraktionen, die gegen die Streitkräfte des syrischen Regimes kämpfen. Der Iran hat Dutzende bewaffnete schiitische Gruppen gezwungen, in Syrien an ihrer Seite zu kämpfen.

Im Libanon übernimmt die libanesische Hisbollah, ein Verbündeter des Iran den größten Teil des Machteinflusses und kontrolliert die strategischen Entscheidungen des Staates in den Fragen des Friedens und des Krieges. Die Kämpfer der Partei waren inoffiziell von den ersten Tagen des Syrienkrieges dabei, die syrische bewaffnete Opposition auf syrischem Boden zu bekämpfen, bis der Generalsekretär der Hisbollah deren direkten Beteiligung im Mai 2013 zugab.

Eine besondere Wahrnehmung der wichtigsten iranischen Ziele bei der Finanzierung und Unterstützung schiitischer bewaffneter Gruppen lässt sich an folgenden Punkten erkennen:

  1. Wahrung der nationalen Sicherheit des Iran durch die Bekämpfung der gegen den Iran gerichteten sunnitischen bewaffneten Fraktionen mit dem Ziel, sie zu schwächen oder zu beseitigen.
  2. Sicherung der strategischen Tiefe der nationalen Sicherheit des Iran und Schutz seiner höchsten Interessen durch die Unterstützung der verbündeten Regierungen im Irak, in Syrien und im Jemen (die Koalitionsregierung von Ansar Allah und des Allgemeinen Volkskongress).
  3. Schaffung eines Kräfteverhältnisses zwischen den mit der Region befassten Ländern wie den Vereinigten Staaten, Russland und der Türkei und deren spezifischen Interessen auf eine Weise, die den iranischen Einfluss begünstigt.

Grenzübergänge zwischen Irak und Iran als Ausdehnungsrouten:

Um das iranische Projekt zu erreichen, müssen lokale verbündete Kräfte in den Zielländern wie Syrien, Irak und dem Jemen mit dem Projekt vertraut sein.

Dies erfordert die Anwesenheit verbündeter lokaler Streitkräfte – sogenannte „Volksarmeen“ –, die dem Iran sichere Landkorridore gewähren, um die Unterstützung durch gesicherte Lieferungen aus dem Iran in die Länder zu bieten, in denen diese verbündeten Volksarmeen präsent sind.

Geografisch gesehen scheinen die „iranischen Fernkorridore“ die Umsetzung der iranischen Ambitionen, die Mittelmeerküste zu erreichen, nicht zu behindern. Die Landentfernung zwischen der iranischen Grenze und den Ufern des Mittelmeers beträgt weniger als 1.300 Kilometer.

Der arabische Teil des Irak ist mit drei offiziellen Grenzstützpunkten mit dem Iran verbunden. Es ist der Grenzpunkt von Shalamjah, 30 Kilometer östlich der Stadt Basra, unweit von Shalamjah in der Provinz Khuzestan im Südwesten des Iran und der Grenzpunkt von Zurbatiyeh in der Provinz Wasit im Ostirak, und liegt nahe dem Grenzübergang von Mehran in der iranischen Provinz Ilam. Der dritte Grenzpunkt ist von Al-Mundhriya in der Provinz Diyala, nordöstlich von Bagdad, unweit dem Grenzpunkt Khosravi in der iranischen Provinz Kermenschah.

Die Hauptstadt Bagdad liegt etwa 150 Kilometer westlich des Grenzpunktes Zurbatiya in der irakischen Provinz Wasit an der Grenze zum Iran im Osten des Irak. Bagdad ist über das Gouvernement Anbar mit Jordanien und Syrien über die Autobahn Nr.1 verbunden, die durch die Stadt Ramadi, die Hauptstadt des Gouvernements Anbar, und den Bezirk Al-Rutba, 300 Kilometer westlich von Ramadi, führt. Die Autobahn teilt sich dann in zwei Richtungen, in den Norden zum Al-Walid-Grenzpunkt , der zum Al-Tanf-Grenzpunkt weiter führt, und in den Süden, die zum jordanisch-irakischem Grenzübergang Namens Trebil führt.

Der Grenzstützpunkt „Al-Munthiriya“ befindet sich im Bezirkskreis Khanaqin im Gouvernement Diyala, 100 Kilometer von der Stadt Baquba entfernt, welche als Provinzzentrum gilt, und sich weniger als 55 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bagdad befindet.

Während der Kämpfe um die Rückeroberung von Tikrit im März 2015 schufen die Volksmobilisierungseinheiten eine 85 Kilometer lange Landstraße, die die Stadt Khalis in der Provinz Diyala mit der Stadt Samarra verbindet, um die Ankunft iranischer Unterstützung zu sichern, und um in der Zukunft davon zu profitieren, indem die geografische Verbindung zwischen den Gebieten der Provinz Diyala, zwischen dem Iran, Syrien und dem Libanon durch die Anbar-Wüste erleichtert wird, denn Stadt Samaraa dient in dem Fall als Transitstadt und bietet eine 100 Km Verbindungsstrasse direkt zu Ramadi.

Es ist noch nicht klar, ob der Iran erwägt, den Grenzpunkt von Shalamjah zu nutzen, um Lieferungen an seine verbündeten Kampftruppen in Syrien und im Libanon durch die südlichen Provinzen zu transportieren, da der Grenzpunkt mehr als 550 km von der Hauptstadt und die wiederum weniger als 150 km von den Grenzpunkten Mandhariya und Zurbatieh entfernt ist.

Das Gouvernement Diyala im Nordosten des Irak ist der wichtigste Ausgangspunkt für die drei Grenzkorridore.

Der Iran kann seine Vorräte nach Erreichen der Stadt Ramadi über die andere Straße zwischen den Städten Ramadi und Al-Qaim entlang des Euphrat zum Grenzpunkt von Abu Kamal transportieren. Während der Iran Gebiete der Provinz Diyala nutzen wird, um Vorräte durch den Norden des Gouvernements Salah al-Din und nach Westen in die Städte Hatra und Al-Baaj sowie an die syrische Grenze zu transportieren.

Die drei iranischen Korridore auf dem irakischen Boden:

  • Der erste Landkorridor (irakischer Al-Walid gegenüber dem syrischen Al-Tanf-Grenzpunkt):

Nach dem Start der Protestbewegungen des Arabischen Frühlings Ende 2010 erlebten mehrere arabische Länder Volksbewegungen, die auf einen „Wandel“ von autoritären Regimen oder Militärdiktaturen zu Regierungssystemen abzielten, die auf Veränderungsmechanismen und der friedlichen Machtübertragung durch Wahlen beruhten. Seit dem Beginn des Syrienkrieges im Jahr 2011 hat der Iran einen Landkorridor gesichert, um „schiitische“ Kämpfer und Vorräte durch das Gebiet der Provinz Anbar zu seinen Verbündeten in Syrien und im Libanon zu transportieren, um die bewaffnete syrische Opposition zu bekämpfen. Dieser Korridor ist der nächstgelegene am Land und kostengünstiger als über See- und Luftfahrt.

Iranische Versorgungskonvois legen eine Strecke von mehr als 500 Kilometern entlang der Autobahn Nr. 1 zurück, die Bagdad mit dem Grenzkorridor Al-Walid an der syrischen Grenze (Al-Tanf, Syrien) verbindet. Die Konvois fahren auf dieser Straße 410 km durch die unbewohnte Wüste im Gebiert Anbar, in der IS-Kämpfer vor 2014 aktiv waren.

Der Iran hat diesen Landkorridor jedoch seit der Rückkehr der IS Kämpfer aus ihren Wüstenlagern Anfang 2013 und ihrer Kontrolle über den größten Teil der Autobahn eingestellt, bis die Sicherheits- und die Volksmobilisierungskräfte am 17. Juni 2017 den Al-Walid-Grenzpunkt gegenüber der syrischen Al-Tanf zurückerobern konnten. Der „erste Landkorridor“ ist der einzige Korridor, den der Iran mit den Verbündeten in Syrien und im Libanon vor den Mosul-Ereignissen 2014 nutzte.

Nachdem die internationale Koalition eine Militärbasis in der Region Al-Tanf und ein Trainingslager für gemäßigte Fraktionen in der „Freien Syrischen Armee“ einrichtete, bleibt der erste Korridor immer noch außerhalb der Reichweite des Iran, um davon profitieren zu können und später am 18. Mai 2017 kam es zum ersten Mal zu direkten Zusammenstößen. Dies hinderte den Iran jedoch nicht daran, in der Zukunft von dem Korridor zu profitieren, nachdem die internationale Koalition die Militärbasis Al-Tanf abgebaut hatten.

Um den iranischen Strategien entgegenzuwirken, errichteten die Koalitionsstreitkräfte Mitte August 2016 eine Militärbasis im syrischen al-Tanf-Gebiet am Zusammenfluss der Grenzen mit dem Irak und Jordanien. Im Juni 2017 wurde im Gebiet „Zakaf“, 70 Kilometer nordöstlich von al-Tanf eine neue Basis errichtet, um zu verhindern, dass die verbündeten Kräfte des syrischen Regimes die irakischen Grenzen erreichen. Jedoch führte ein Abkommen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten am 19. September 2017 zur Evakuierung des Lagers und zum Transfer von Soldaten und Ausrüstung zur Basis Al-Tanf.

Die Gebiete in Süd- und Ostsyrien, die vom Deeskalations -Vertrag zwischen Russland, der Türkei und dem Iran ausgeschlossen sind, gehören zu den wichtigsten Regionen im Hinblick auf ihre geografische Verbindung mit Jordanien und Israel im Süden, dem Irak und dem Iran im Osten. Die Bedeutung des „ersten Landkorridors“ für den Iran und Syrien ist wie folgt:

  1. Die Sicherstellung, dass der Landweg für den Fluss von Waffen und Kämpfern aus dem Iran durch die Anbar-Wüste zu den Verbündeten frei bleibt.
  2. Aktivierung des Handels mit dem Iran und dem Irak, um die Auswirkungen der Verschlechterung der syrischen Wirtschaft und des Niedergangs der lokalen Währung gegenüber Fremdwährungen zu mildern.

– Der zweite Landkorridor (irakische Al-Qaim-Kreuzung gegenüber dem syrischen Grenzpunkt Abu Kamal):

Die Mobilisierung und die entsprechende Menge von mit dem Iran verbündeten Kräften auf beiden Seiten der irakisch-syrischen Grenze trugen dazu bei, die Aufgaben der verbündeten Regimekräfte zu erleichtern, indem sie strategische Gebiete kontrollierten, um die internationale Koalition und die alliierten Streitkräfte beim Erreichen des Grenzpunktes von Abu Kamal zu verhindern. Die syrischen Streitkräfte, die libanesische Hisbollah und die „Fraktionen der Volksmobilisierungskräfte“ erreichten diesen genannten Grenzpunkt direkt nach der Evakuierung der internationalen alliierten Streitkräfte aus Abu Kamal und deren Verzicht auf der Rückeroberung dieser Stadt laut dem am 19. September 2017 unterzeichneten Abkommen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten.

Auf irakischer Seite wurden die Streitkräfte der Volksmobilisierungsfraktionen entlang der beiden Grenzpunkte Al-Walid nördlich bis Al-Qaim südlich eingesetzt, um die Sicherheit des Irak vor möglichen Terrorquellen außerhalb der Grenzen zu verteidigen. Es gelang ihr, die Al-Qaim-Überfahrt unter Beteiligung der irakischen Sicherheitskräfte am 4. November 2017 zurückzugewinnen, zeitgleich bemühten sich die syrischen Streitkräfte, die wiederum von Fraktionen der Volksmobilisierungskräfte unterstützt wurden, die Kontrolle über die syrische Stadt Abu Kamal zu erlangen, die sie am 19. November vollständig zurückeroberten und ihre Kontrolle über die Landstraßen in Richtung der Stadt Homs und der Hauptstadt festigten.

Der zweite Landkorridor (Al Bukamal) ist der erste Grenzübergang, den die syrischen Streitkräfte aus den drei offiziellen Grenzpunkten mit dem Irak zurückeroberten, die die Transportrouten vom Iran durch das irakische Territorium ermöglichen. Es ist ein Grenzübergang, dessen Bedeutung durch die Anwesenheit des Kommandanten der iranischen Al-Quds Brigaden in Al-Bukamal deutlich wurde, denn während der Kämpfe um die Rückeroberung dieses strategischen Gebietes bekam er auch Unterstützung von den Milizen der Al-Nujba-Bewegung, die als einer der Fraktionen der Volksmobilisierungseinheiten gelten.

Die Bedeutung der zeitnahen Rückeroberung und Kontrolle der irakischen Al-Qaim- und der syrischen Al-Bukamal-Grenzpunkte wird von zwei mit dem Iran verbündeten Ländern wie folgt, erklärt:

  1. Es wird dadurch vermieden, den irakischen Grenzpunkt Al-Walid westlich von Anbar gegenüber dem Al-Tanf zu nutzen, wo die Streitkräfte der internationalen Koalition eine Militärbasis haben.
  2. Dieses Gebiet wird als eine Transitroute verwendet, um iranische Vorräte an die syrische Grenze zu Israel im syrischen Golan, welcher 70 Kilometer südwestlich der Hauptstadt liegt, zu transportieren.
  3. Die Wiederherstellung und Sicherung des Warenverkehrs zwischen dem Irak und Syrien.
  4. Die Sicherung der Gaspipeline aus dem Iran, die durch die Provinz Anbar im Irak zu den syrischen Ufern in der Zukunft verlegt wird, und von dort zu den globalen Energiemärkten.

 – Der dritte Landkorridor (irakischer Rabia-Grenzübergang gegenüber dem syrischen Hafen Al Yarubiyah):

Die Anwesenheit der Internationalen Koalitionskräfte in der Al-Tanf-Basis in Syrien veranlasste die iranischen Planer, nach alternativen Landkorridoren in den Gebieten zu suchen, die unter der Kontrolle der Volksmobilisierungskräfte im Gebiet Al-Baaj an der syrischen Grenze im Nordwesten des Irak in der Provinz Ninive stehen.

Das temporäre Transitgebiet in Al-Baaj stellt den dritten Landkorridor vom Iran nach Syrien und in den Libanon dar. Die Lage des Distrikts Al-Baaj ist aufgrund seiner Nähe zur syrischen Grenze (40 Kilometer östlich) von großer geografischer Bedeutung.

Zugleich stellt dieser temporäre Landkorridor in der Region Al-Ba‘aj eine Alternative zur ursprünglichen Route dar, die sich von Tal Afar bis zum irakischen Rabia-Grenzübergang (55 Kilometer westlich) und von dort entlang der Nordgrenze mit der Türkei zum Gouvernment Idlib bis Homs in Zentralsyrien erstreckt. Die Wahl des Ba’aj-Gebiets als vorübergehender Korridor war das Ergebnis des internationalen politischen Drucks, der zu einer Änderung der Richtung von den Bewegungen der Volksmobilisierungseinheiten von Tal Afar in die Ba‘aj-Gebiete führt.

Ende Mai 2017 gaben die Fraktionsführer der Volksmobilisierungseinheiten bekannt, dass sie Dutzende von den vom IS eroberten Dörfern zurücknehmen konnten und verkündeten ihre Ankunft an der irakisch-syrischen Grenze. Es gelang ihnen die Kontrollübernahme wichtiger Landstriche vom irakisch-syrischen Grenzstreifen im Gebiet Al-Ba‘aj bis zum Grenzübergang Al-Qaim im Süden in einer Entfernung von mehr als 220 Kilometern, davor schafften diese Fraktionen die Übernahme des Zentrums der Landesregion Al-Ba‘aj am 4. Juni 2017.

Der dritte Landkorridor führt vom Iran durch das Gouvernement Diyala und dann nördlich des Gouvernements Salah al-Din in der Region Sharqat, 90 km südlich von Mosul, dann westlich weniger als 50 km zur Stadt Hatra im Gouvernement Ninive und von dort etwa 100 km westlich nach al-Ba’aj, hinunter zu den Syrischen Grenzen. Diese Gebiete zeichnen sich dadurch aus, dass es sich im Gegensatz zum ersten und zweiten Landkorridor hauptsächlich um Wüstengebiete mit verstreuten Dörfern mit geringer Bevölkerungsdichte handelt, denn der erste Korridor führt durch die dicht besiedelten Städte Ramadi und Rutba, während der zweite entlang des Euphrat durch die Städte Ramadi, Hit, Haditha und Anah zum Grenzübergang von Al-Qaim führt und von dort bis zum Grenzübergang von Abu Kamal auf der syrischen Seite.

Die zukünftigen Bedrohungen für die iranischen Grenzübergangsrouten:

Die iranischen Korridore bleiben völlig unsicher, nicht bevor die großen Gebiete von IS Kämpfern geräumt werden können. Sie starten ihre Angriffe durch kleine mobile Gruppen in den Salah al-Din, Anbar und Ninive, wo die drei Landkorridore verlaufen und als obligatorische Durchgangsgebiete für die iranischen Lieferungen nach Syrien sind.

Die iranischen Korridore zum Mittelmeer sind einer Reihe von Bedrohungen ausgesetzt, die den Verkehr und den Transport von Versorgungsgütern unsicher machen. Die wichtigsten davon sind:

  1. Die Landkorridore, die durch eine raue Wüste oder bekannte Gebirgsgeographie in sunnitischen Gebieten führen, die den iranischen Bestrebungen feindlich gegenüberstehen, und zugleich von den Angriffen der IS nicht gesichert sind.
  2. Die Gefahren der israelischen Luftüberwachung des syrischen Territoriums und der gezielten Luftangriffe auf die Lieferungen der logistischen Güter der Hisbollah im Libanon setzen dem Iran noch mehr zu. Mehrere Transportkonvois und Lagerstätten wurden am Rande der Hauptstadt Damaskus im Jahr 2017 von den israelischen Luftangriffen vernichtet.
  3. Die Konfrontation mit der israelischen Ablehnung zur ständigen iranischen Präsenz in Syrien, die den Transfer fortschrittlicher Waffen an die Hisbollah durch Syrien begünstigen und die Stärkung der Präsenz der Hisbollah und der iranischen Streitkräfte an den Grenzen mit Syrien erleichtern wird.

Die erwarteten iranischen Strategien zum Schutz der Landkorridore:

Erstens:

Die mit dem Iran verbündeten Streitkräfte im Irak werden weiterhin die Veränderung der Demografie der Provinz Diyala vorantreiben. Dieses Gebiet wurde vor den Ereignissen in Mosul 2014 mehrheitlich von den sunnitischen Arabern bewohnt, und zum wichtigsten Ausgangspunkt für die logistischen Lieferungen durch die drei Landkorridore.

Zweitens:

Der Iran wird sich den Herausforderungen stellen müssen, um die vollständige Kontrolle über seine Landkorridore zu behalten, die geographisch gesehen, mehrheitlich sunnitisch-arabisch geprägt sind. Gleichzeitig steigt der Diskurs zwischen den Sunniten und Schiiten und damit die vorprogrammierte Eskalation weiter. Um diese Herausforderungen zu umgehen, muss der Iran mehrere Jahre lang verbündete Streitkräfte in sunnitischen Gebieten einsetzen und dabei die Lasten der Ausgaben, Finanzierung, Bewaffnung und Ausbildung tragen. Zugleich müssen sie die notwendigen Vorbereitungen treffen, um sie vor möglichen Angriffen sunnitischer Gruppierungen zu schützen, sei es von der bewaffneten syrischen Opposition oder von IS -Zellen im Irak und in Syrien.

Drittens:

Der Iran könnte gezwungen werden, die Unterstützung zusätzlicher schiitischer bewaffneter Gruppen aus anderen Ländern in Anspruch zu nehmen, um die Landkorridore zu überwachen und zu sichern, da es schwierig ist, so große Entfernungen allein durch die irakischen Sicherheitskräfte oder mit dem Iran verbündete lokale Milizen zu sichern.

Viertens:

Der Iran wird die Konsequenzen der Herausforderung auch tragen müssen, weil die Ablehnung Israels zum Verbleib des Iran in Syrien mehr als deutlich ist. Einen dauerhaften Landkorridor zum Libanon über den Irak und durch Syrien einzurichten, garantiert dem Iran die Versorgung der loyalen Organisationen in beiden Ländern. Der Iran muss auch in Zukunft schiitische bewaffnete Gruppen in Syrien einsetzen, was ihn dazu veranlasst, jede UN-Regelung des Syrienkrieges zu blockieren, die das Fehlen der Rolle des bestehenden syrischen Regimes voraussetzt.

Alle Veröffentlichungsrechte und Urheberrechte sind dem MENA Forschungs- und Studienzentrum vorbehalten