Irans Terrorgruppen im Westen

Iranische Geheimdienste verstärken systematisch ihre Aktivitäten gegen Regimekritiker, Journalisten, Politiker und Aktivisten in Europa und den USA. Ein aktueller Fall verdeutlicht die Eskalation: Die belgische Abgeordnete Darya Safai, die sich für eine härtere EU-Politik gegenüber Iran einsetzt und einen Parlamentsbeschluss zur Einstufung der Revolutionsgarde als Terrororganisation initiierte, erhielt von belgischen Sicherheitsbehörden eine Warnung vor geplanten Entführungsplänen während ihrer Türkei-Besuche.
Das iranische Regime hat seine Vorgehensweise grundlegend verändert und arbeitet zunehmend mit internationalen Verbrechersyndikaten zusammen. Diese Strategie ermöglicht es Teheran, die eigene Verantwortung zu verschleiern und politische Kosten gering zu halten. Koordiniert werden diese Operationen von der Spezialeinheit “Abteilung 840” der Revolutionsgarde. Der Wandel erfolgte insbesondere, nachdem iranische Akteure im Westen unter verstärkte Überwachung gerieten und ihre direkten Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt wurden.
Zahlreiche dokumentierte Fälle belegen diese Entwicklung. In New York wurden zwei Mitglieder der osteuropäischen Mafiagruppe “Diebe im Gesetz” wegen versuchten Mordes an der iranisch-amerikanischen Aktivistin Masih Alinejad verurteilt, die im Auftrag der Revolutionsgarde gehandelt haben sollen. In Berlin sitzt ein Däne afghanischer Herkunft in Untersuchungshaft, der jüdische Orte und Personen für mutmaßliche Brandanschläge ausspioniert haben soll. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in München, wo ein französischer Drogenhändler wegen entsprechender Spionageaktivitäten festgenommen wurde. In London wurde trotz Polizeischutz ein Journalist des Exilsenders Iran International von osteuropäischen Kriminellen niedergestochen, nachdem er den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu interviewt hatte.
Besonders aufschlussreich sind die Kooperationen mit prominenten Kriminellen. Der mutmaßliche Mafiosi Ümit Bulbul erhielt Berichten zufolge Schutz vor internationaler Strafverfolgung in Iran im Gegenzug für Hilfsdienste bei Angriffen auf israelische Ziele. Ein ähnliches Arrangement soll mit Ramin Yektaparast bestanden haben, dem früheren Lokalchef der Hells Angels in Mönchengladbach, der in Iran ein Luxusleben führte, bevor er 2024 unter ungeklärten Umständen getötet wurde. Yektaparast wird verdächtigt, im Auftrag der Revolutionsgarde einen Brandanschlag auf die Bochumer Synagoge organisiert zu haben. Der schwedische Mafiaboss Rawa Majid setzte sich Ende 2023 nach Iran ab, wurde zunächst festgenommen, arrangierte sich dann aber offenbar mit dem Regime und orchestriert seither mehrere Angriffe gegen israelische Einrichtungen in Europa.
Die Blaupause für diese Vorgehensweise lieferte vermutlich der mutmaßliche Drogenhändler Naji Sharifi Zindashti, der amerikanischen Ermittlern zufolge Hells Angels-Mitglieder in Kanada beauftragt haben soll, einen iranischen Überläufer in Maryland zu ermorden. Zur Aufdeckung solcher Pläne trug entscheidend bei, dass niederländische und belgische Sicherheitsbehörden 2021 die im Mafiamilieu beliebte Verschlüsselungssoftware Sky ECC geknackt haben. Auch der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad verhinderte zahlreiche Anschlagspläne, wobei manche der angeheuerten Akteure aufgrund mangelnder Ausbildung dilettantisch vorgingen.
Die Intensivierung dieser Operationen folgt einem erkennbaren Muster. Nach der Tötung des Quds-Kommandeurs Qassem Soleimani durch Amerika und des führenden Atomwissenschaftlers Mohsen Fakhrizadeh durch Israel, beide 2020, stieg die Zahl der von Iran beauftragten Mord- und Einschüchterungsversuche deutlich an. Seit der “Frau-Leben-Freiheit”-Bewegung 2022 nahmen Übergriffe gegen iranischstämmige Dissidenten im Westen weiter zu. Als Wendepunkt gilt die Festnahme eines iranischen Diplomaten in Deutschland 2018, der in Belgien wegen Beteiligung an einem vereitelten Terroranschlag in Paris verurteilt und später durch iranische Geiseldiplomatie freigepresst wurde.
Diese terroristischen Methoden dienen als Teil der iranischen Abschreckungspolitik nach innen und außen. Die internationale Gemeinschaft reagiert mit verstärkter Zusammenarbeit: 14 Staaten, darunter Deutschland, unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung, die eine wachsende Bedrohung durch iranische Geheimdienste konstatiert und deren Versuche dokumentiert, Journalisten, Dissidenten, jüdische Bürger sowie Amtsträger zu töten, zu entführen oder einzuschüchtern.


