Vertreibung, Hunger, Krankheiten: Jemens Katastrophe in drei Dimensionen

Die Internationale Organisation für Migration hat die Weite der jemenitischen Tragödie angesichts des anhaltenden Krieges durch eine neue statistische Veröffentlichung zusammengefasst.

Laut Statistik hat die Zahl der Vertriebenen seit Anfang diesen Jahres mehr als 95.000 Binnenvertriebene erreicht.

2015 ist der Krieg im Jemen ausgebrochen, als die Houthi-Milizen mit Unterstützung der IRGC die Hauptstadt Sanaa übernommen haben. Danach fanden heftige Kämpfe zwischen den Houthi-Milizen und der der Übergangsregierung angeschlossenen jemenitischen Armee statt.

Hunger und Armut

Die Vertreibungskrise ist eines von vielen Problemen, unter denen die Jemeniten leiden, insbesondere weil die Armutsquote im gesamten Land über 80% gestiegen ist und das Land in eine Hungersnot geraten ist.

Der Jemen-Krieg und die Eroberung der Hauptstadt durch die Milizen haben zu einer der schlimmsten humanitären Krisen weltweit geführt.

Die humanitäre Situation hat sich nach der Einstellung von mehr als 30 Programmen (von 41) der Vereinten Nationen im Jemen vehement verschlechtert. Diese wurden wegen fehlender Mittel der Geberländer gestoppt.

Die Vereinten Nationen hatten zuvor angekündigt, 1,35 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung der humanitären Operationen im Jemen zu sammeln. Mehrere Länder und Organisationen kündigten jedoch an, ihre Mittel für die Hilfseinsätze aufgrund der Praktiken der Houthi-Miliz und der Einschränkung der Arbeit humanitärer Organisationen zu kürzen.

Das UN-Entwicklungsprogramm geht auf die Nahrungsmittelkrise im Jemen ein und zeigt, dass 20 Millionen Jemeniten von chronischem Hunger bedroht sind und weltweit am anfälligsten für Hunger geworden sind. Das UN-Entwicklungsprogramm weist darauf hin, dass der Krieg zusammen mit der Ausbreitung der Corona-Epidemie die Nahrungsmittelkrise im Jemen verschärft hat und das Land auf dringende Nahrungsmittelhilfen angewiesen ist.

Verschärfter Raub

Der Hunger und die Armut im Jemen sind das Ergebnis der Praktiken der Houthi-Milizen, die versuchen, die Ressourcen des Landes zu kontrollieren, um ein Problem bei der Sicherung der Grundbedürfnisse der Jemeniten zu schaffen und damit ihren Handel auf dem Schwarzmarkt

aktiver zu gestalten, besonders in Bezug auf Medikamente, Kraftstoffe und Lebensmittel.

Im Gespräch mit dem MENA Forschungs- und Studienzentrum beschuldigt eine zuverlässige Quelle die Milizsoldaten, öffentliche Gelder durch Steuern, Lizenzgebühren und das, was sie „Zakat-Geld“ nennen, gestohlen zu haben.

Die Quelle bezieht sich auf das „Gesetz von einem Fünftel“, das vor einigen Tagen von den Milizen verabschiedet wurde, wonach ein Fünftel des Reichtums und der Bürgergelder des Landes den Milizführern unter dem Vorwand des Eigentums der Familie des Propheten Muhammad gegeben wird.

Im Jahr 2019 genehmigten die Milizen eine Reihe von Steuern auf jemenitische Bürger, darunter eine Dschihad-Steuer und Steuern zur Unterstützung der Milizen sowie Steuern auf Apotheker und Anwälte.

Berichten der jemenitischen Regierung zufolge ist das Land aufgrund der allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen im Zeitraum zwischen 2015 und 2019 bereits in die fünfte Phase der Katastrophe eingetreten.

COVID-19, eine komplizierte Krise

In Bezug auf die Ausbreitung des Coronavirus sagt die UNICEF, dass das Gesundheitssystem im Jemen zusammenbricht, weil es nicht in der Lage ist, die grundlegenden medizinischen Bedürfnisse und Dienstleistungen zu erbringen.

Die Organisation verweist auch auf den Mangel an Finanzmittel für die Unterstützung von Gesundheitseinheiten und betont, dass die UN-Organisationen nur 10 Prozent der im Jemen benötigten medizinischen Hilfsgelder erhalten haben, die auf 53 Millionen US-Dollar geschätzt werden.

Die Vereinten Nationen hatten zuvor gewarnt, dass 48.000 schwangere Frauen im Jemen aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus vom Tod bedroht sind, da die finanzielle Unterstützung für Gesundheits- und Geburtszentren reduziert wurde.

In diesem Zusammenhang äußert der Sprecher des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Robert Colville, die Besorgnis der Vereinten Nationen über die von ihm als „verzweifelt“ beschriebene Situation im Jemen.

„Es besteht die Angst, durch die Corona-Epidemie, Malaria, Dengue-Fieber, Cholera und andere Krankheiten unzählige Menschenleben zu verlieren“, sagte Colville und forderte die Geber auf, sofort Hilfe zu leisten, um Millionen von Jemeniten zu helfen, die bereits während des fünfjährigen Krieges gelitten haben.

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