Russland und Iran außenpolitisch in einem Boot

Als „historisches Friedensabkommen“ feierte das Weiße Haus die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung durch US-Präsident Donald Trump, Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew und Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan. Russland hingegen sprach lediglich von einem „Treffen in Washington“ – eine bewusst nüchterne Formulierung, die verdeutlicht, wie wenig Begeisterung im Kreml über das amerikanische Engagement im Südkaukasus herrscht.
Moskau hat gute Gründe für seine Zurückhaltung. Sollte es tatsächlich gelingen, den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan dauerhaft beizulegen, droht Russland seinen Einfluss in einer Region zu verlieren, die es weiterhin als Teil seiner traditionellen Einflusssphäre betrachtet.
Offiziell verzichtete das russische Außenministerium zwar auf offene Kritik, machte jedoch klar, dass es die von Washington vorangetriebene Annäherung nicht akzeptiert. Moskau verweist darauf, selbst die entscheidende Rolle bei den bisherigen Vermittlungsbemühungen gespielt zu haben – etwa beim von Russland und der Türkei ausgehandelten Waffenstillstand im Jahr 2020. Damals eroberte Aserbaidschan große Teile von Berg-Karabach, im September 2023 fiel schließlich auch das restliche Gebiet unter seine Kontrolle. Mehr als 100.000 Armenier flohen.
Zwar griffen russische Friedenstruppen beim erneuten Aufflammen der Kämpfe nicht ein, doch Moskau pocht weiterhin auf das Recht, den Transitkorridor zwischen Aserbaidschan und seiner Exklave Nachitschewan zu garantieren. Genau diese Rolle würde Russland nun verlieren: Nach dem in Washington vorgestellten Plan soll künftig ein US-Unternehmen die Verbindung betreiben – unter dem symbolträchtigen Namen „Trump Road for International Peace and Prosperity“.
Noch schärfer als Moskau reagierte Teheran. Eine US-Präsenz direkt an der Grenze zu Armenien ist für den Iran ein rotes Tuch. Vertreter des Regimes sprachen offen von „Kriegsgefahr“ und drohten, die neue Verkehrsachse werde „zum Grab für Trumps Söldner“. Damit stellen sich Russland und Iran faktisch gegen die von den USA vermittelte Friedensperspektive.
Dass Washington überhaupt in die Rolle des Vermittlers schlüpfen konnte, liegt nicht zuletzt an der wachsenden Unzufriedenheit beider Konfliktparteien mit Russland. Armenien wirft dem früheren Schutzpatron Verrat vor und orientiert sich zunehmend nach Westen, während Aserbaidschan ohnehin seit Jahren versucht, internationale Vermittler zurückzudrängen.
Dennoch ist der Frieden noch nicht gesichert. Zwar liegt seit März ein Vertragsentwurf vor, doch eine Unterzeichnung ist frühestens nach den armenischen Parlamentswahlen 2026 zu erwarten. Hauptstreitpunkt bleibt die armenische Verfassung: In ihrer Unabhängigkeitserklärung wird eine Vereinigung mit Karabach erwähnt – für Baku ein Affront gegen das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung der Staatsgrenzen. Premierminister Paschinjan will eine Verfassungsänderung durch ein Referendum legitimieren, doch vor der Wahl ist das nicht mehr möglich.
Während in Armenien Opposition und Diaspora bereits von „Verrat“ sprechen, steht in Aserbaidschan kein Wahlrisiko im Raum. Präsident Alijew regiert autoritär und stärkt seine Position, indem er demonstrativ auf Distanz zu Moskau geht – zuletzt sogar mit der Drohung, Waffen an die Ukraine zu liefern.


