Töten durch „Verdursten“: Eine Waffe der Türkei gegen die Einwohner von Hasaka/Syrien

Syrien

Töten durch „Verdursten“, so lautet der Titel des türkischen Krieges, der gegen 460.000 Einwohner der syrischen Region Al-Hasaka geführt wird, zusätzlich zu den Bewohnern von 3 Flüchtlingscamps in der Region. Die der Autonomen Verwaltung von Nord- und Ostsyrien angeschlossene Wasserdirektion in Hasaka gab bekannt, dass die türkische Armee und die ihr treuen syrischen Fraktionen aufhörten, von dem Alouk-Wasserwerk in der östlichen Landschaft von Ras al-Ain in die Region zu pumpen, und es ist das siebte Mal seit Oktober 2019.

Nach aufeinanderfolgenden Informationen gab die Wasserdirektion in Al-Hasaka an, dass die örtlichen Behörden in Ras al-Ain die Arbeit der Station in der Nacht vom Samstag auf den vergangenen Sonntag einstellten, weil die Stationsarbeiter das Wasserwerk nicht erreichen konnten, um den Grund für den Ausfall zu finden und ihn zu beheben. Nach Bekanntgabe des Vorfalles rief das Internationale Komitee vom Roten Kreuz alle Parteien dazu auf, sich an die Umsetzung des Völkerrechts zu halten, die Trinkwasserversorgung aus dem Konflikt raus zu halten, und die Hauptquellen des Wasserflusses für alle Einwohner auf faire Art und Weise zu schützen.

Die Wasserdirektion Al-Hasaka hatte die russischen Streitkräfte als Garant über die Situation und den Durst in der Region informiert. Eine Quelle der Wasserdirektion berichtete, dass Russland darüber informiert wurde und die Vertreter der russischen Armee bestätigten darauf hin, Gespräche mit den türkischen Beamten aufgenommen zu haben und dass diesbezüglich offizielle Erklärungen erwartet werden. Natalie Bekdash, Vertreterin für Medien und Kommunikation beim „Internationalen Komitee vom Roten Kreuz“, erwähnte, dass die Zeitung Asharq Al-Awsat ihre Worte zitierte, dass sie in Abstimmung mit dem „Syrischen Roten Halbmond“ und der Al-Hasaka-Wasserstiftung daran arbeiten, Lösungen zur Linderung dieser Not zu finden, einschließlich der Reparatur von Rohrnetzen und des Einsatzes der Wassertanker für die Flüchtlingscamps und den Rest der Flüchtlingsunterkünfte. Zudem sagte sie auch: „Wenn das Wasser vom Alouk-Wasserwerk abgeschnitten wird, gibt es 50 Trinkwassertanks innerhalb des Stadtgebiets. Das Rote Kreuz und der syrische Halbmond überwachen die Trinkwasserversorgung in den Notsituationen.“ Trotzdem besteht ständig die Sorge, ob es den Menschen möglich bleiben wird, Zugang zu Wasser zu erhalten. Vor allem angesichts der Ausbreitung der Corona-Pandemie fügte Bekdash hinzu: „Die Menschen in der Region benötigen große Mengen an sauberem Wasser, um den Risiken der Ausbreitung des Corona-Virus entgegenzuwirken.“

Dazu übernahm die türkische Armee und die ihr treuen bewaffneten syrischen Fraktionen gemeinsam Anfang Oktober letzten Jahres nach einem massiven Angriff  und der militärischen Operation, bekannt als die Operation des Friedens die Kontrolle über die Stadt Ras al-Ain. Seitdem verwandelte sich das Al-Alouk-Wasserwerk in ein Druckmittel zwischen Moskau und Ankara. Beide Seiten nahmen den Verhandlungen auf und erreichten vorläufige Vereinbarungen.

Es wurde festgelegt, das Wasser von Al-Alouk in Richtung der Stadt Al-Hasaka und ihrer Vororte zu pumpen und im Gegenzug versorgt das Elektrizitätswerk Mabrouka in Ras Al-Ain die Gebiete der pro-türkischen Fraktionen mit Strom. Die Al-Alouk-Station ist die einzige Quelle für Trinkwasserversorgung von mehr als 460.000 Menschen in der Region. Sie versorgt die Stadt Abu Rasin, den Bezirk Tal Tamr, die Stadt Hasaka und ihre Landschaft. Diese Gebiete befinden sich mit der Wasserversorgung bereits in einer prekären Situation. Zudem versorgt das Wasserwerk auch 3 Flüchtlingscamps, darunter das Lager „Washokani“, in dem fast 12.000 Vertriebene aus Ras al-Ain sind, und das Lager „Al-Areesheh“ für die Vertriebenen aus Deir Al-Zor mit etwa 13.000 Einwohnern, während das Lager „Al-Hol“ etwa 68.000 Menschen beherbergt. Die meisten von ihnen sind vertriebene Syrer, irakische Flüchtlinge, außerdem gibt es dort eine spezielle Abteilung für Ausländer, die in der Vergangenheit in von ISIS kontrollierten Gebieten lebten.

Die kurdische Leiterin Suzdar Ahmed stellte fest, dass das Wasserwerk seit der getroffenen Vereinbarung von Ankara und Moskau nur ein Drittel der vereinbarten Mengen in die Kontrollgebiete der Autonomen kurdischen Verwaltung pumpte, und fügte hinzu: „Seit 8 Monaten sind nur 3 von 8 Pumpstationen in Betrieb mit der Absicht, alle Gebiete unter Trinkwassermangel zu versetzen. Das erhöht das Leiden und die Herausforderungen und besonders die Ausbreitung der Corona-Pandemie in der Region.“

In einem ausführlichen Bericht, der auf der Daraj-Website veröffentlicht wurde, wird erörtert, dass die Türkei im Falle des Abschlusses des Wasserprojekts, welches weltweit das größte Projekt seiner Art ist und sich über die Verwaltungsgrenzen von 8 türkischen Provinzen erstreckt, mehr als 80 Prozent des Wassers des Euphrat kontrollieren wird.

Um zum Ursprung des Problems zurückzukommen, wurden in dem Bericht Informationen zitiert, wonach türkische Kampfjets in den ersten Tagen der türkischen Militäroperation in der syrischen Stadt Afrin die Trinkwasseraufbereitungsanlage in der Nähe der Vorstadt Sharran nordöstlich des Stadtzentrums von Afrin mit mehreren Raketen bombardierten. Dazu bombardierten ihre Jets den Damm „Medanki“ dreimal hintereinander, bevor sie die Kontrolle über den 12 Kilometer von Afrin entfernten Damm einnahmen und ihn beschädigten. Der Damm befindet sich am Afrin-Fluss, etwa zwei Kilometer von der Stadt Medanki entfernt. Er blockiert Überschwemmungen durch Regen und gilt als Wasserspeicher. Außerdem sicherte der Damm jährlich mehr als 15 Millionen Kubikmeter Wasser, wovon die Stadt Afrin und ihre Dörfer sowie die Stadt Azaz profitieren.

Später leitete die türkische Armee die Fliesrichtung des Trinkwassers von Afrin in die Gebiete von Azaz um, nachdem sie die Sterilisations- und Wasserpumpstation im Dorf Matina unter ihre Kontrolle brachte, und Afrins Wasseranteil nach Azaz und in seine Landschaft gepumpt wurde, sodass das Wasser von Afrin und seiner Landschaft vollständig ausging. Die türkischen Jets bombardierten die erwähnte Pumpstation während des Krieges gegen die Stadt Afrin mit mehreren Raketen, bevor die türkische Armee die Kontrolle über diese Station übernahm. Die Wasserversorgung von Afrin wurde fast vollständig unterbrochen, weshalb die zivile Bevölkerung auf Grundwasser von den Brunnen in den Wohnvierteln angewiesen ist, um Wasser zu bekommen, welches den täglichen Verbrauchsbedarf kaum deckt.

Der tägliche Wasserverbrauch in Afrin und den umliegenden Dörfern beträgt etwa 40.000 Kubikmeter. Das Wasser wurde in die Pumpstation am Midanki-Damm gepumpt, und in der Filtrationsstation im Dorf Matina sterilisiert. Die Anzahl der Wasserpumpen, die die Stadt Afrin versorgten, beträgt 5. Stück. Sie haben fast alle aufgehört, die Stadt mit Wasser zu versorgen.

Die Türkei leitete 2016 den natürlichen Verlauf des Tigris in die landwirtschaftlichen Flächen des Dorfes Ain Dewar in der Stadt Derek um, um mehr als tausend Hektar syrisches Land zu okkupieren. Gleichzeitig verhinderte die türkische Gendarmerie den kurdischen Bauern die Nutzung des Flusses für die Bewässerung ihrer landwirtschaftlichen Flächen. Der Tigris-Fluss stellt die wichtigste Wasserquelle für die Landwirtschaft in der Region dar.

Die Direktion für Altertümer und Museen des syrischen Regimes appellierte dringend, die römische Brücke nach dem Umleiten des Flusslaufs vor dem Einsturz ins Wasser zu bewahren. In ihrer Erklärung sagte die Direktion, dass eine Änderung des natürlichen Flusslaufs in Richtung der syrischen Gebiete in der Region Ain Dewar historische archäologische Plätze in der Region zu überfluten droht.

Die türkischen Gendarmen feuerten mehr als einmal auf kurdische Bauern, trafen einige von ihnen und hinderten sie daran, sich ihren landwirtschaftlichen Flächen zu nähern, um sie zu nutzen, die als einzige Lebensgrundlage für sie in der Region gilt.

Die Bombardierung von Wasseraufbereitungsanlagen in Ras al-Ayn

Am 19. März diesen Jahres bombardierte die türkische Artillerie das Wasser- und Kraftwerk Alouk in der Stadt Ras al-Ayn, was dazu führte, dass es außer Betrieb genommen wurde. Damit wurde die gesamte Stadt Hasaka und ihre Landschaft von der Wasserversorgung abgeschnitten. Die türkische Gendarmerie zielte auf Reparaturwerkstätten ab, die versuchten, es wieder in Betrieb zu nehmen. Mehrere Arbeiter wurden dabei verletzt.

Die türkische Artillerie bombardierte in Zeitabständen die Kraftwerke und Wasserstationen in der Stadt Ras al-Ayn, die einige Städte der Gegend mit Wasser versorgt.

Am 16. März diesen Jahres bombardierten türkische Kampfjets während ihres Krieges gegen die Stadt Afrin zwei große Wassertanks, die die Bewohner des Stadtteils Mahmoudiya und des Kreisverkehrsgebietes Kawa Al-Haddad im Stadtzentrum von Afrin mit Wasser versorgten. Zuvor wurde das Wasser von der Stadt abgeschnitten. Die Türkei hat den Wasserstand des Euphrat auf 321 Grad gesenkt, und das ist der niedrigste Wasserstand für die Stromerzeugung an syrischen Staudämmen. Zudem verstößt diese widrige Maßnahme gegen die zwischen Syrien und der Türkei unterzeichneten Abkommen und Verträge, wonach Syrien pro Sekunde einen Anteil von 450 Wasserkesseln erhalten soll.

Außerdem schnitt die türkische Regierung das Wasser vom Balikh ab, dem zweitgrößten Fluss in Syrien nach dem Euphrat, und teilte Syriens Anteil am Fluss der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen in der Türkei zu. Der Fluss bewässert Tausende Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in der nördlichen Region Syriens und ist die Hauptquellader für die Landwirte an beiden Ufern des Flusses.

Er beginnt in der Türkei und führt über das Gebiet Ain Al-Arous in der syrischen Grenzstadt Tal Abyad mit einer Gesamtlänge von etwa 110 Kilometer weiter, und das Abdrehen von Wasser an den großen Staudämmen in Syrien bedrohen das Leben von mehr als 2 Millionen Anwohnern, daher bleibt den Anwohnern nur die Generatoren als Alternative für die Stromerzeugung über!

Auf der Daraj-Website wird Akram Suleiman, Generaldirektor für Elektrizität in der Region Jazira, zitiert: „Als der IS zwei Staudämme in Nordsyrien kontrollierte, nämlich den Rojava-Staudamm (ehemals Tishreen) und den Hurriya-Staudamm (ehemals Baath), kontrollierte er auch die großen Gebiete der Regionen Raqqa, Hasaka, Aleppo und Deir Al-Zor, denn diese beiden Dämme waren die einzige Quelle für den IS, um die Elektrizität für ihre Kontrollbereiche zu sichern.“ Außerdem fügte er hinzu: „Nachdem die syrischen demokratischen Kräfte die Kontrolle über den Damm von der terroristischen Organisation IS übernommen hatten, waren wir darüber überrascht, dass die Wassermenge, die von der türkischen Seite nach Syrien flossen, 800 Kubikmeter betrugen, während der Anteil Syriens am regionalen Wasser 500 Kubikmeter ausmachte, was bedeutet, dass dies während des Zeitraums der IS-Herrschaft mehr Wasser die syrischen Dämme als Syriens tatsächlich vorgesehener Grundanteil erreichte. Kurz darauf reduzierte die türkische Regierung die Wassermenge, die zu den Staudämmen gelangte auf 200 Kubikmeter, was zu einer Verringerung der Menge an erzeugter Elektrizität zur Folge hatte, und es damit die Regionen Hasaka, Manbij, Tabqa, Kobani und Deir Al-Zor hart traf. Das Umleiten und Einstellen des Wasserflusses verursachten auch Schäden an landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, nachdem einige Zweigflüsse ausgetrocknet waren. Neben der Tatsache, dass das Wasser des Euphrat-Staudamms als Hauptquelle für mehrere Regionen gilt, führte dies zu einer echten Wasserkrise in der Region“. Der See von Tishreen Damm speichert mehr als 1,9 Milliarden Kubikmeter Wasser und verfügt über 6 Turbinen. Während der Euphrat-Damm 14,6 Milliarden Kubikmeter Speicherkapazität erreichen kann und 8 Turbinen für den Betrieb verfügt. Derzeit werden nur 3 solche Turbinen in Betrieb genommen.

Das Projekt GAP

Die Türkei arbeitet an der Umsetzung des GAP-Projekts, welches eine Abkürzung für Südostanatolien ist. Es besteht aus 22 riesigen Staudämmen, von denen die wichtigsten neben einem Speicherprojekt und Elektrizitätswerken die Staudämme von Atatürk, Keban, Karakia, Barajil und Qum Qayam auf einer Fläche von 1,7 Millionen Hektar Ackerland umfasst. Die Speicherkapazität des Projekts wird auf mehr als 100 Milliarden Kubikmeter geschätzt, was ungefähr dem dreifachen der Speicherkapazität der Staudämme in Syrien und im Irak zusammen entspricht. Es wird erwartet, dass die Türkei mehr als 80 Prozent des Wassers des Euphrat nach erfolgreichem Abschluss des Projektes kontrollieren wird, und damit ist es das größte Wasserprojekt der Welt, welches sich über die Verwaltungsgrenzen von 8 türkischen Provinzen erstrecken wird.

Khaled Suleiman sagt in einem Artikel, den er am 14. März diesen Jahres auf der Daraj-Website veröffentlichte: „Wie es in der entfernten Geschichte war, ist das Wasser heute noch immer die mächtigste Waffe, um Revolutionen und Bestrebungen der Kurden nicht nur in der Türkei, sondern auch in den Nachbarländern niederzuschlagen.“

Die Sabotage des Afrin-Damms und der Tauschhandel mit Wasser aus dem Tigris zeugen von dieser Politik. Zu Beginn des Krieges gegen Afrin im Januar besuchte der türkische Außenminister Cavusoglu Bagdad und präsentierte dem irakischen Premierminister Haider al-Abadi die Absicht der Türkei, den Wasserspeicher im riesigen Ilisu-Staudamm am Tigris einzustellen, als Gegenleistung für die Teilnahme des Irak am Krieg gegen die kurdische Arbeiterpartei.

Im Rahmen dieser Politik besuchte der Stabschef der türkischen Armee Khulsoy Anfang diesen Monats Bagdad, um das gleiche Ziel zu erreichen. Nach dem Besuch des Stabschefs enthüllte Oglu auch, dass Bagdad dazu bereit wäre, mit der Türkei im Krieg gegen die kurdische Arbeiterpartei zusammenzuarbeiten, was bedeutet, dass der Tauschhandel um Tigriswasser fortgesetzt wird.

Kurz gesagt, die neue Erdogan-Politik besteht darin ein Auge auf Investitionen in Religion, Nationalismus, Populismus und das Verbrennen dessen, was verbrannt werden kann, zu werfen um ihrer  Bestrebungen gerecht zu werden, ein weiteres Auge auf das Wasser zu richten, welches sich eher als ein Druckmittel und Verhandelns als zu Frieden führen wird.

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