Einführung und Zusammenfassung

Mehr als 5 Millionen Menschen türkischer Abstammung leben in Europa außerhalb der Türkei, eine humanitäre Verbindung, die die Türkei und die gesamte europäische Gemeinschaft seit Beginn der groß angelegten Migration in den 1960er Jahren miteinander erfahren hat. Fragen der Einwanderung, der Staatsbürgerschaft, der Integration, der Assimilation, der durch diese Migration und den Aufbau dauerhafter türkischer Diasporagemeinschaften in Europa ausgelöste soziale Austausch ist seit langem politisch sensibel. Konservative und rechte Parteien in Europa haben sich mit Fragen der Migration und der kulturellen Vielfalt befasst, oft Angst vor den MigrantInnen geschürt und die Besorgnis einiger Europäer über den raschen demografischen Wandel versucht aufzuzeigen.

Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union – und vieler ihrer Mitgliedsstaaten – und der Türkei haben sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Seit 2014 können Türken im Ausland, in Europa und anderswo auf der Welt an türkischen Wahlen teilnehmen, was zu aktiven Kampagnen einiger türkischer Staats- und Regierungschefs in europäischen Ländern führte. Aus diesen und mehreren anderen Gründen hat das politische und akademische Interesse an der türkischen Diaspora und ihren Wechselwirkungen mit der europäischen Gesellschaft und Politik in den letzten Jahren erheblich zugenommen.

Die türkische und türkisch-kurdische Diaspora fühlt sich in Europa insgesamt zu Hause. Ihre Mitglieder sind sehr zufrieden mit ihren Lebensumständen und allgemein zufrieden mit der Integrationspolitik der Aufnahmeländer.

Die türkische Community in Deutschland und Österreich ist weitgehend uninteressiert an europäischer Politik, mit wenigen Beschwerden gegen Behörden und wenig Beteiligung an der Parteipolitik in den betreffenden Ländern. Dennoch identifizieren sich die meisten in der in Europa ansässigen türkischen Diaspora auf breiter Front weiterhin in erster Linie als Türken und nicht als Vollmitglieder der Gesellschaften, in denen sie leben, und sie sind weiterhin stärker an Entwicklungen und der Politik in der Türkei als in ihren derzeitigen Ländern fasziniert. Kurz gesagt, sie unterstützen implizit und nachdrücklich die Maxime des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, dass Türken in Europa sich „integrieren, aber nicht assimilieren“ sollten, auch wenn das genaue Verständnis dieses Satzes interpretationsfähig ist.

Diese und viele andere Ergebnisse wurden in einer Meinungsumfrage unter türkischen Communities in Deutschland und Österreich untersucht. Diese fand von Dezember 2020 bis Jänner 2021 statt und  wurde von MENA Research and Study Center in Auftrag gegeben. Befragt wurden in Deutschland 1.236 TürkInnen, in Österreich 393.

Durch die Bereitstellung einer Datengrundlage hoffen die Autoren, dass diese Forschung dazu beitragen kann, dass politische EntscheidungsträgerInnen, WissenschaftlerInnen und eine breite Öffentlichkeit die Zusammenhänge zwischen den Entwicklungen in der Türkei und der Europäischen Union sichtbar werden und möglicherweise Ideen hervorbringen können, die die sog. Integrationspolitik in Deutschland und Österreich verdeutlichen sowie verbessern kann.

Hier können Sie die Studie als PDF herunterladen

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